Xer Wert einer Durchschnittsernte an Gemüse wurde auf ettva
300 Millionen M. geschätzt, ungefähr für Len dritten Teil dieser
Summe mußte Gemüse aus dem Auslande eingeführt werden, um
den Gesamtbedarf zu befriedigen. Wie sich die Einfuhren im ein
zelnen gestalteten, soll später besprochen werden-, nur soviel sei fest-
gestellt, daß sie zunächst beträchtlich sanken, und dgß in den ersten
Kriegsmonaten auch die inländische Erzeugung zum mindesten
nicht gesteigert werden konnte, während der Bedarf sehr bald ganz
beträchtlich steigen mußte.
b) Die steigende Bedeutung der Gemüscnahrmrg während des
Krieges.
Um sich ein Bild von der steigenden Bedeutung der Gemüse
kost für die gesamte Bevölkerung zu machen, muß man sich folgende
Entwicklung vor Augen halten, welche die deutsche Ernährungs
wirtschaft unter, dem Druck der Aushungerungspolitik der
Entente genommen hat.
Bereits durch Bekanntmachung vom 25. Januar 1915
(RGBl. S. 35) war eine Beschlagnahme der Vorräte an Brot
getreide und Mehl erfolgt und eine Verbrauchsregelung eingeführt
worden, wonach den Kommunalverbänden nur bestimmte Mengen
an Brotgetreide und Mehl überwiesen wurden, die naturgemäß
geringer waren -als der Friedensverbrauch. Schon damals wurde
den Kommunalverbänden freigestellt, die Abgabe und die Ent
nahme von Brot und Mehl auf bestimmte Mengen, Abgabestellen
und Zeiten sowie in anderer Weise zu beschränken. Die Mög
lichkeit der Einführung einer Brotkarte war somit schon
gegeben. Eine solche wurde allgemein und zwangsweise vor
geschrieben durch Bekanntmachung über den Verkehr mit Brot
getreide und Mehl aus dem Erntejahre 1915 vom 28. Juni 1915
(RGBl. S. 363). Die Menge an Mehl, -die täglich auf den Kopf
der Zivilbevölkerung im Deutschen Reich verbraucht werden durfte,
wurde von -der Reichsgetreidestelle mit Wirkung vom 15. Sep
tember 1915 auf 225 g festgesetzt, nachdem sie vorübergehend
»och geringer gewesen war. Das war jedenfalls erheblich weniger,
als der Normalverbrauch im Frieden gewesen war; denn nach einer
vom englischen Handelsamt veranstalteten Erhebung über die
Lage der Industriearbeiter in den Jahren 1904 bis 1907* war
* Vgl. Wagemann, Die Nahrungsmittelwirtschaft de? Aus
landes, in Heft a der „Beiträge zur Kriegswirtschaft", <55 7