Full text : Berliner Banken

54  Großstadt-Dokumente  Bd.  8.  Berliner  Banken.

recht  lukrativ  erwiesen  haben,  denn  er  wird  heute  noch
von  einer  Anzahl  Baitkiers  —  allerdings  minderwertiger
Sorte  —  beschritten.  Der  Weg  ist  aber  durch  die  erhebliche ­
  Aufwendung  von  Porto,  welche  nötig  ist,  ziemlich ­
  kostspielig,  und  verhältnismäßig  früh  kainen  einzelne
Bankiers,  wohl  nach  österreichischem  Vorbild,  aus  die
Idee,  die  wöchentlichen  Berichte  zu  erweitern  und  sie  in
Form  von  Zeitungen  zu  drucken.  Dadurch  schlug  man
zwei  Fliegen  mit  einer  Klappe.  Einmal  wurde  die
Kostendeckuilg  wesentlich  vereinfacht.  Die  Zeitung  kostete
ein,  wenn  auch  niedriges,  Abonnementsgeld  mrd  man
konnte  womöglich  sogar  Überschüsse  dadurch  erzielen,
daß  man  von  den  Banken  Finanzinserate  ausnahni.
Außerdem  aber  stieg  der  Wert  der  Ratschläge  beim
Publiluun.  Selbst  wenn  der  Name  des  Bankiers  groß
auf  dem  Zeitungstitel  angegeben  war,  vergaß  das  Publikum ­
  doch  allzu  leicht,  daß  es  sich  hier  um  ein  rein
geschäftliches  Unternehmen  handelte,  und  maß  die  Zeitung
mit  demselben  Maß,  wie  es  gewöhnt  war,  andere  Zeitungen ­
  zu  messen.  Besonders  war  das  der  Fall  bei  den
Artikeln,  die  nicht  als  Fragebeantwortungen  im  Briefkasten ­
  standen,  sondern  als  sachkundige  Auseinandersetzung ­
  an  der  Spitze  des  redaktionellen  Teiles  prangten«
Mit  solchen  Blättern  hat  das  Publikum  schon  recht
schlechte  Erfahrungen  gemacht.  Sie  spielten  in  Wien
und  Berlin  schon  zur  Zeit  des  großen  Gründerkraches
anfangs  der  siebziger  Jahre  eine  recht  verhängnisvolle
Rolle.  Später  ist  dann  die  öffentliche  Aufmerksamkeit
auf  die  Zeitungbankiers  und  ihre  Preßorgane,  namentlich ­
  durch  den  großen  Prozeß  gegen  den  Berliner  Bankier ­
  Paul  Polke,  gelenkt  worden.  Neuerdings  schießen
solche  Bankierzeitungen  wieder  üppig  ins  Kraut  und  es
gibt  einige,  vor  denen  wegen  der  Person  ihrer  Herauf
geber  nicht  genug  gewarnt  werden  kann.  So  wird  z«  ™
            
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