Full text: Berliner Banken

58 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken. 
ganz besonders dazu geeignet, sich vom Lreditsuchenden 
besondere Vorteile gewähren zu lassen. Gewisse Geschäfte, 
die selbst von, sonst angesehenen, Banken gepflegt wurden, 
haben stets einen mehr oder minder wucherischen Bei 
geschmack gehabt. Namentlich die Berliner Baubranche 
hat vielfach unter unlauteren und hohen Bedingungen 
zu leiden. Von den Bankiers, welche die Diskontierung 
von Bauwechseln als Spezialität betreiben, wird zur Ent 
schuldigung mlf das verhältnismäßig hohe Risiko hin 
gewiesen, das die Diskonteure eingehen und anderseits 
auch aus die großen Gewinne, die von den Geldnehmern 
erzielt werden. Jeder Wucher ist ja etwas Relatives. 
Derselbe Zinssatz, dem geldbedürftigen Privatmann ab 
genommen oder einem Geschäftsmann, der mit den Dar 
lehn lukrativ im Geschäft zu arbeiten vermag, kann 
das eine Mal als schwerer Wucherzins, das andere Mal 
als üblicher Entgelt angesehen werden. Allein der Ein 
wand des großen Risikos bei der Verleihung an Bau 
unternehmer kann nicht ohne weiteres als stichhaltig 
akzeptiert werden. Das Baugewerbe, solid betrieben, ist 
absolut nicht riskanter, wie irgend ein anderes Geschäft. 
Die unsicher» Verhältnisse, unter denen ganz besonders 
die Berliner Bautätigkeit leidet, sind besonders dadurch 
hervorgerufen, daß unlautere und kapitalschwache Ele 
mente in immer steigender Zahl sich in den Beruf 
drängen. Das Leihen an diese ist natürlich riskant, aber 
anderseits wird auch grade dadurch, daß diese Leute 
immer wieder durch Geld unterstützt werden, ihr Empor 
wachsen und ihre Ausbreitung gefördert. Die richügen 
Baugeldwucherer leihen aber eben an anrüchige und 
schwache Anternehmer mit Vorliebe, well nur sie die 
Bedingungen akzeptieren müssen, die ihnen vorgeschrieben 
werden. Der Zusammenbruch der Pommerschen und 
Preußischen Hypothekenbank hat ja mit besonders er-
	        
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