Krawaltenbankiers.
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schreckender Deutlichkeit gezeigt, daß diese hohen Bedingun
gen oft bewußt von den Geldgebern dazu ausgebeutet
werden, kaum ausgebaute Häuser möglichst billig wieder
in ihren Besitz zu bringen.
Aber es wäre eine Täuschung, anzunehmen, daß
solche Wucherpraktiken nur im Baugeschäft im Schwange
sind. In der letzten Zeit sind vielfach Fälle bekannt
geworden, wo momentane Geldverlegenheiten der Inhaber
großer Geschäfte oder der Söhne reicher Väter selbst von
Aktienbanken und von bis dahin angesehenen Bankiers
ausgebeutet worden find.
Der mit dem Gesetz wohlvertraute Bankier betreibt
natürlich den Wucher nicht in der einfachen Form, wie
die kleinen Hyänen des Geldmarktes. Der Zinssatz, den
er fordert, wird immer mäßig sein. Aber er verschleiert
das wucherische Tun, er gibt dem Schuldner nicht den
vollen Betrag, den dieser braucht, um aus seiner Geld
verlegenheit herauszukommen, vielmehr leiht er nur einen
Teilbetrag in bar, gibt als Gegenwert für den Rest
Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Hypotheken oder schwer
realisierbare Wertpapiere, meist erheblich über ihren
wirklichen Wert hinein. Bei solchen Geschäften, die tat
sächlich schwere Wuchertransakttonen sind, ist die Be-
straftmg deshalb nicht leicht zu erzielen, weil die Leute,
die so bewuchert werden, sehr oft sich nicht in einer
dauernden Notlage befinden, sondern nach Ausweis ihrer
Bilanz womöglich sogar in guten Vermögensverhältnissen.
Es handelt sich hier meist um momentane Zwangslagen,
in die die Geldnehmer durch Festlegung ihrer Mittel ge
langt sind.
Diese Art des Bankierwuchers ist nun allerdings
nicht als eine Berliner Spezialität zu bettachten, im
Gegenteil, die Geldquellen fließen meistens in der Provinz.
Dagegen ist Berlin die Zentrale des Schleppertums, und