Die Freiheitskriege: 1809, 1813z535. 375
Das sind einige der Worte, mit denen der Dichter seine
„Geharnischten Sonette“ einführt: Trutzlieder in der stark
zugelnden Versform des romanischen Auslandes und deutsch
in ihrer nordisch-herben Gesinnung:
Wir schwören, daß kein Vater nach dem Sohne
Soll fragen, und nach seinem Weib kein Gatte,
Kein Krieger fragen soll nach seinem Lohne,
Noch heimgehn, eh' der Krieg, der nimmersatte,
Ihn selbst entläßt mit einer blut'gen Krone,
Daß man ihn heile, oder ihn beitatte.
Weicher, von ruhigerer Frömmigkeit, den duftig umschriebenen
Idealen mittelalterlichen Kaisertums und ritterlicher Gesellschaft
hingegeben war Max von Schenkendorf. Wie ihn sein Freund
de la Motte-Fouqus vielleicht noch zu scharf umrissen ge—
malt hat:
Weißt Du, mein Max, wie aus dem Ringen
Der Zeit mir steigt empor Dein Bild?
Wie das des alten Berlichingen:
Stark, edelstämmig, freudig-mild.
Die Hand, wie ihm, Dir lahm geschofsen,
In einem viel zu frühen Kampf,
Doch beid' ihr kühn, der Schlacht Genossen,
Bei Roßgewieh'r und Pulverdampf.
Denn was Schenkendorf kennzeichnet, das ist doch schon
das Absehen vom bloßen Augenblick, ist der romantische Rück⸗
blick auf eine umgedeutete Vergangenheit und die mystische
Ausschau nach vorwärts, und aus alledem her nicht bloß der
Kampfesruf nach Befreiung der Nation, sondern auch das
fromme Gebet um ihre Besserung, ihre in Einheit und Kraft
aufs hehrste zu gestaltende Zukunft.
Du reicher Gott in Gnaden,
Schau her vom blauen Zelt
Du selbst hast uns geladen
In dieses Waffenfeld.
Laß uns vor dir bestehen
Und gib uns heute Sieg:
Die Christenbanner wehen,
Dein ist, o Herr, der Krieg