fullscreen : Einführung in das Studium der Konjunktur

172  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

Eigenart  der  betreffenden  Industrien  zu  erklären  sind.  Alle  diese
Mittel,  die  so  angewandt  werden,  resultieren  einerseits  aus  einer  bestimmten ­
  gegebenen  Konjunkturlage,  üben  dann  aber  auch  wieder
auf  der  anderen  Seite  einen  bestimmten  Einfluß  auf  den  weiteren
Gang  der  Konjunktur  aus.
Noch  deutlicher  kann  man  diese  Zusammenhänge  bei  dem  Umschwung ­
  der  Konjunktur  und  während  der  Zeit  der  Depression
■wahrnehmen.  Hier  in  diesen  ungünstigen  Zeiten  ist  es  wiederum  die
ökonomische  und  technische  Eigenart  der  verschiedenen  Industrien
und  Industriezweige,  welche  diesen  jetzt  ganz  bestimmte  Wege  des
Handelns  vorschreibt.
Wie  wir  gesehen  haben,  zeigt  sich  für  den  Unternehmer  der
Rückgang  der  Konjunktur  rein  äußerlich,  vor  allem  in  einem  Rückgang ­
  des  Absatzes  und  einem  Sinken  der  Preise.  Beide  Erscheinungen ­
  stehen  ja  in  dem  engsten  Zusammenhänge.  Die  geringe  und
sinkende  Nachfrage  nach  Waren  aller  Art  wirkt  bei  der  weit  größeren
Leistungsfähigkeit  der  Industrie  und  dem  nun  entbrennenden  Kampf
um  den  Absatz  preisdrückend.  Mancher  Unternehmer  kann  in  solchen
Zeiten  vielleicht  einen  der  Leistungsfähigkeit  seines  Betriebes  entsprechenden ­
  Absatz  sich  erhalten,  wenn  er  nur  die  erforderlichen
Zugeständnisse  bei  der  Preisfestsetzung  ‘macht.  Mancher  Unternehmer ­
  steht  vielleicht  so  vor  dem  Dilemma,  sich  entweder  mit
unlohnenden  Preisen  zufrieden  zu  geben,  aber  so  vielleicht  seinen
bisherigen  Absatz  aufrecht  erhalten  zu  können,  oder  bei  einem  Rückgang ­
  des  Absatzes,  d.  h.  bei  einer  verminderten  Ausnutzung  seiner
Produktions-  und  Betriebsanlagen,  doch  noch  Preise  zu  erzielen,
welche  wesentlich  günstigere  sind.  Diesem  Dilemma  kann  sowohl
der  einzelne  Unternehmer  wie  auch  eine  ganze,  in  einem  Kartell  zusammengeschlossene ­
  Industrie  gegenüberstehen.
Wenn  wir  auf  Grund  der  eingehenden  Untersuchungen  des
Ver.  f.  Sp.  einen  Blick  auf  den  wirklichen  Verlauf  der  Dinge  werfen,
so  sehen  wir,  daß  bei  dem  Konjunkturumschwung  im  Jahre  1900
beide  Wege  eingeschlagen  worden  sind.  Auf  der  einen  Seite  hören
wir  von  Industrien  und  Unternehmungen,  welche  unter  allen  Umständen, ­
  selbst  bei  unlohnenden  Preisen,  den  Versuch  machten,
ihren  alten  Absatz  aufrecht  zu  erhalten.  Es  werden  dies,  wie  eine
einfache  Überlegung  zeigt,  vor  allem  solche  Industrien  und
Unternehmungen  gewesen  sein,  bei  welchen  sich  in  besonders  hohem
Maße  die  Ausdehnung  der  Produktion  nach  dem  Gesetze  vom  steigendem ­
  Ertrag  vollzog,  oder  wo,  von  der  anderen  Seite  aus  betrachtet,
eine  Einschränkung  der  Produktion  zu  einer  erheblichen  Verteuerung ­
  derselben  führen  mußte.  Wo  solches  der  Fall  ist,  bedeutet  dann
            
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