Full text : Berliner Banken

8  Großstadt-Dokumente  Bd.  8.  Berliner  Banken.

Berliner  Bank,  das  sich  an  der  Ecke  der  Behren-  und
Lharlottenstraße  erhebt  und  bis  zur  Rosmarienstraße
reicht.  Mit  seinem  Glasdach  und  dem  ganz  eigentümlichen ­
  Ausbau  der  Parterreräumlichkeiten  nimmt  es  sich
beinahe  wie  ein  vornehmes  Landschloß  in  Versaille  oder
St.  Eloud  aus.  Seit  kurzem  hat  die  Kommerz-  und  Diskontobank ­
  ihren  Sitz  hierher  verlegt,  die  sich  die  Berliner ­
  Bank  vor  einiger  Zeit  angliederte.
Die  Physiognomie  des  Bankenviertels  unterscheidet
sich  nur  zu  gewissen  Tageszeiten  von  der  anderer  Berliner
Straßenviertel.  Des  Abends  und  des  Nachts  wird  sie
wesentlich  beeinflußt  durch  das  Berliner  Nachtleben,  das
von  der  Friedrichstraße  aus  bis  hierher  seine  Wogen
sendet.  Das  Metropoltheater  und  die  zahlreichen  Weinund
  Bierrestaurants,  namentlich  aber  auch  die  von  den
Linden  bis  zur  Behrenstraße  sich  erstreckende  Passage  erleichtert ­
  das  Eindringen  und  Festsitzen  nächtlicher  Elemente. ­
  So  spät  das  Leben  im  Bankenviertel  Schluß
macht  —  schon  deshalb,  weil  ein  erheblicher  Teil  der
Berliner  Demimonde  sich  hier  niedergelassen  hat  —  um
so  später  erwacht  auch  hier  das  Leben.  Die  Banken  und
Bankgeschäfte  pflegen  vor  neun  Uhr  ihre  Kasse  nicht  zu
eröffnen,  und  erst  wenige  Minuten  vor  dieser  Zeit  flutet
die  Schar  der  Angestellten  aus  der  Stadt  und  den  Vororten ­
  in  die  Paläste  hinein.  Während  des  ganzen  Tages
behält  besonders  die  Behrenstraße  ihren  vornehmen  Anstrich. ­
  Wenn  man  von  der  Voßstraße  absieht,  in  die  das
Wertheimsche  Warenhaus  so  etwas  wie  einen  demokratischen ­
  Zug  hineingetragen  hat,  hält  sich  im  gesamten
Bankenviertel  der  Verkehr  in  relativ  engen  Grenzen.  Zu
gewissen  Stunden  des  Vormittags  bilden  die  Bankboten
—  durch  Geldtasche  oder  Uniform  kenntlich  —  das  Hauptkontingent ­
  der  Passanten.  Dazwischen  sieht  man  Equipagen
vor  die  Tore  der  Vankenräume  rollen.  Um  die  Mittags ­
            
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