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Milch und Molkerei-Erzeugnisse.
K. Windisch gibt ebenfalls diesem Verfahren den Vorzug; er empfiehlt
aber, zur Aufschließung ein Erlenmeyer-Kölbchen zu verwenden und die an
gewendeten Äthermengen zu wägen. Er verfährt folgendermaßen;
3—5 g Fettkäse oder 10 g (oder mehr) Magerkäse werden in einem Erlen-
meyer-Kölbchen von etwa 250 ccm Inhalt mit Salzsäure vom spezifischen Ge
wicht 1,125 (auf 3 g Käse 10 com, auf 10 g 20 ccm) auf dem Drahtnetze erhitzt.
Sobald die Auflösung erfolgt ist, gibt man nach dem Erkalten Wasser (auf 10 ccm
Salzsäure 20—30 ccm, auf 20 ccm 40 ccm Wasser) hinzu, tariert das Ganze
(einschl. des zu verwendenden Korkstopfens) auf einer Wage, die noch 0,01 g an
zeigt, gibt darauf 80—120 g mit Wasser gesättigten Äther hinzu, verschließt das
Kölbchen mit dem Korkstopfen und wägt wieder; das Gemenge wird nun 2—3
Minuten kräftig geschüttelt. Nachdem es darauf 1 / 2 —1 Stunde gestanden und die
ätherische Schicht sich klar abgesetzt hat, gießt man einen Teil derselben in ein
tariertes Kölbchen, verschließt das erste Kölbchen wieder mit dem Korkstopfen und
wägt es zurück. Die abgegossene ätherische Fettlösung wird bei niedriger Temperatur
verdunstet und das Fett nach dem Trocknen (1 Stunde) im Wasserdampf-Trocken
schranke gewogen.
Die Berechnung des prozentigen Fettgehaltes erfolgt nach der Gleichung:
_ 100 b. d
X a (c — d) ’
in welcher bedeutet:
a das Gewicht der angewendeten Käsemenge,
b „ „ des zugesetzten wassergesättigten Äthers,
c „ „ der abgegossenen Ätherfettlösung,
d „ „ des in c enthaltenen Fettes,
x den prozentigen Fettgehalt des Käses.
c) Acidbutyrometrisch.es Verfahren von Gerber. 1 ) Unter gewissen
Umständen wird man sich zur Fettbestimmung in Käsen auch dieses Verfahrens be
dienen können. Da dasselbe indes mitunter, z. B. bei harten Magerkäsen, nur
schwierig ausführbar ist, außerdem den Apparaten Gebrauchsanweisungen beigegeben
werden, so soll hier von einer Beschreibung des Verfahrens abgesehen werden.
3. Bestimmung des Stickstoffs. 1. Zur Bestimmung des Gesamt-Stick
stoffs werden 1—2 g Käsemasse in der oben S. 137—139 beschriebenen Weise
nach Kjeldahl verbrannt.
Soll der Stickstoff auf Stickstoff-Substanz bezw. Kasein umgerechnet werden, so
dürfte sich bei Käsen, welche nur eine schwache Reifung durohgemacht haben, die An
wendung des Kasein-Paktors 6,37 (yergl. S. 470) empfehlen; dagegen dürfte bei stark
gereiften Käsen schon der Faktor 6,25 reichlich hoch sein. Jedenfalls empfiehlt es sich,
im Untersuchungsbericht den verwendeten Faktor stets anzugeben.
2. Für die Trennung und Bestimmung der durch die Reifung ge
bildeten löslichen Stickstoff-Verbindungen haben L. L. van Slyke und
E. B. Hart 2 ) Verfahren ausgearbeitet, auf die hier nur verwiesen werden kann.
Vergl. ferner auch S. 208 u. ff.
*) Vergl. Milch-Ztg. 1898, 27, 449; 1903, 32, 65 u. 147; 1904, 38, 353, 433 u. 500;
Referate in Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1899, 2, 242; 1904, 7,
409 u. 410; 1906, 9, 569—570.
2 ) Amer. Chem. Journ. 1903, 29, 150; Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u.
Genußmittel 1906, 9, 168.