Full text: Kritischer Beitrag zur Theorie des internationalen Handels

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lieren, daß dennoch jede derartige Wortbezeichnung einen be- 
stimmten, wenn auch nur dem Sprachgebrauch entnommenen 
Vorstellungsinhalt hat, der auf einen Sinnzusammenhang bezogen 
ist. Anders ausgedrückt: Alles kommt darauf an, welchen Erkennt- 
niszweck wir verfolgen, ob an ihm gemessen eine bestimmte Termino- 
logie einen eindeutigen bzw. überhaupt einen Sinn hat. Es ist nun 
offenbar vom Standpunkt der Reinen Theorie völlig belanglos, 
welcher Inhalt den terminis Weltwirtschaft und Volkswirtschaft 
zu Grunde gelegt wird, spezieller gesagt: ob die bei der Anwendung 
der Reinen Theorie auf die Erfahrung sich ergebenden Modifikationen 
als materielle Begriffsmerkmale für die historisch-politische Einheit, 
die wir Volkswirtschaft zu nennen uns gewöhnt haben, brauchbar 
sind, interessiert die Reine Theorie absolut nicht. Wenn anderer- 
seits trotzdem diese wiederholt genannten Modifikationen zur 
Grundlegung einer besonderen Theorie der Weltwirtschaft benutzt 
worden sind, so kann dabei nur ein handelspolitisches Erkenntnis- 
ziel Pate gestanden haben. Denn es wäre sinnlos, mit Hilfe einer 
willkürlichen Auswahl ganz bestimmter solcher Modifikationen der 
Reinen Theorie, einer Theorie der Volkswirtschaft (die stets der 
Reinen Theorie gleichgesetzt wird), eine solche der Weltwirtschaft 
zu konfrontieren, wenn nicht die Auffassung bestünde, daß diese 
speziellen Modifikationen, unter denen die nationale Begrenzung 
der Wanderung von Kapital und Arbeit die erste Rolle spielt, die 
wichtigsten seien. Den Maßstab für diese Wichtigkeit kann nur das 
handelspolitische Interesse abgeben, jener Standpunkt also, der 
auf Grundlage einer Seins-Erkenntnis politisch-wirtschaftlicher Be- 
ziehungskomplexe regulative Prinzipien entwickelt, die zuerst und 
vor allem an den wechselnden Staatszwecken ihre Orientierung 
erfahren. 
Noch einmal, — wenn wir uns bei der Gegenüberstellung 
Theorie der Volkswirtschaft und Theorie der Weltwirtschaft etwas 
denken sollen, so besteht, abgesehen von der Annahme einer „echten““ 
Heteronomie, nur die eine Möglichkeit, daß wir die sogenannte 
„Theorie der Weltwirtschaft‘ im Sinne „angewandter Theorie“ 
überhaupt verstehen mit der reservatio mentalis, daß dann Theorie 
der Volkswirtschaft Theorie schlechthin bedeute. Unnötig zu wieder- 
holen, daß dann die Namen Volkswirtschaft und Weltwirtschaft 
vollständig ihren Sinn verlieren, der nur im Lichte des handels- 
politischen Standpunktes greifbare Gestalt annimmt. 
Das R6sum6 der bisherigen Überlegungen ist denkbar einfach. 
Der theoretische Standpunkt eliminiert die Begriffe Weltwirtschaft
	        
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