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zum Erwerb anbieten. Künstlerische Glas- und keramische Ar
beiten, Porzellan, Handarbeiten und Stickereien, sowie nach
eigenen Entwürfen geknüpfte Teppiche, eigens gedruckte Ta
peten und Stoffe stehen zum Verkauf; außerdem steht dem
Käufer alles zur Verfügung, was zur Einrichtung und zum
Schmuck von Zimmern gehört.
Zur allgemeinen Beleuchtung der Schwierigkeiten, welche
den Münchener Möbelfabriken auf dem Weltmarkt entstehen,
möge die Bemerkung dienen, daß die Begründung des öster
reichischen Möbelsyndikats., die der Preisunterbietung der
österreichischen Möbelfabriken im Exportgeschäft ein Ende be
reiten soll, geeignet sein dürfte, die Lage der bayerischen Möbel
fabriken insbesondere im Südosten des Landes in günstiger
Weise zu beeinflussen. Die bayerischen Möbelfabriken in ihrer
Gesamtheit haben ja in den letzten Jahren neben dem öster
reichischen Wettbewerb auch dem amerikanischen zu begeg
nen. Zwar handelt es sich hier weniger um Fertigfabrikate!
als um Möbelteile, die in den Vereinigten Staaten von Amerika
in großen Massen maschinell hergestellt und in Deutschland
zusammengefügt werden. Immerhin übt auch die starke Zu
nahme der amerikanischen Einfuhr auf das bayerische Tisch
lereigewerbe einen ungünstigen Einfluß aus.
Bei dieser Betrachtung der Kunstgewerbeindustrie Mün
chens können wir nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß
hier Massenbetrieb und Arbeitsteilung nichts ist, was an sich
verderblich wäre, sondern der Umstand, daß das Ziel „Quali
tätsarbeit“ aus den Augen verloren wird und daß die In
dustrie im großen Ganzen sich nicht als dienender Teil einer
Kulturgemeinschaft, sondern als Herrin der Gegenwart emp
findet. Auch das Handwerk wird der Industrie vielfach zur
Seite stehen können und darin eine neue zeitgemäße Auf
gabe erblicken müssen, daß es sich bei der Weiterverarbeitung
vieler Industrieerzeugnisse als ein Faktor zeigt, der die guten
Eigenschaften eines Fabrikats durch geschulte handwerksmäßige
Weiterverarbeitung erst richtig zur Geltung bringt.
Und nur'dem unmittelbaren, rastlosen und schaffensfrohen
Eingreifen der Münchener Künstler im Sinne der Veredelung
auch des alltäglichen Lebens ist es zu danken, wenn da und