418 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
regelmäßig nur gering war, zumal der in der Stadt ansässigen.
Und eine verhältnismäßige Selbständigkeit besaßen auch diese
Handwerker, insofern sie innerhalb des Verlagssyftems beschäftigt,
nicht einfache Arbeiter waren. Neben den sstädtischen Handwerkern,
die die kaufmännischen Unternehmer beschäftigen,
sind die ländlichen in Betracht zu ziehen; ihnen gegenüber entfaltet
sich das Unternehmertum, wie wir es bei der süddeutschen
Textilindustrie im 15. und 16. Jahrhundert wahrnehmen,
breiter, insofern die Zahl der beschäftigten Handwerker größer
wird!). Doch sind wir auch dabei von einer umfassenden Herrschaft
eines echten Kapitalismus weit entfernt. Immerhin
dürfen wir im Hinblick auf die Abhängigkeitsverhältnisse, die
uns am Ende des Mittelalters hier und da begegnen, von einem
Ansatz zu kapitalistischer Entwicklung sprechen?).
In den Handelsbetrieben von Florenz sind größere Geldsummen
verwertet worden als in den gleichzeitigen gewerblichen.
Auch für Deutschland trifft dies zu. Andrerseits mag hierbei
daran erinnert werden, daß der Handel regelmäßig nicht so viel
Angestellte verlangt wie das Gewerbe. Ferner sei noch verzeichnet,
daß die Florentiner Geldhändler zweifellos mehr dauernde
Bankiers, weniger Gelegenheitshändler?) gewesen sind als
die gleichzeitigen deutschen, die immerhin auch große Darlehen
gewährt haben, wie etwa die, welche der englischen Krone Vorschüsse
machten).
Nebenbei widmen wir noch dem viel behandelten Thema des
antiken Kapitalismus ein Wort. Wie wir es schon angedeutet
haben?), hat das klassische Altertum etwa die Stufe der Stadtwirtschaft
erreicht, ohne deren genauere Formen zu teilen.
1) Vgl. unten Nr. VIII.
2) Vgl. Hermes S. 399.
3) Vgl. oben S. 365.
4) Über das Maß des Umfangs, den der Warenhandel am Ende
des Mittelalters erreicht, s. unten S. 464 Anm. 3. Die Baienflotte
bezeichnet Gothein im „Grundriß der Sozialökonomik“ 6, S. 292
als „die größte Fernunternehmung der früheren hansischen Schiffsahrt.“
ishrt S. oben S. 254.