Einleitung. Über normalen und anormalen Stand
der Valuta.
Als ich Ende Oktober 1917 eine Reise in die Schweiz antrat, mußte
ich für 500 Fr. in Schweizer Noten, die ich zur Reise benötigte, rund
800 M. bezahlen, also etwa die doppelte Summe, die ich in Friedenszeiten
hätte zahlen müssen. Dieser ungünstige Stand des schweizerischen
Wechselkurses war bekanntlich keineswegs vereinzelt; die Wechselkurse
gegenüber allen Ländern des neutralen Auslandes waren während
des Krieges in mehr oder minder hohem Grade für uns ungünstig.
Dafür nur ein paar Beispiele: }
während am 25.7. 1914: 100 Dollars = M.4109,—n0t,, kosteten sie am 30. 12. 1916 = M. 5441—
» 25.7.1914: 100Fl.holl. = 169,— » 5 nn» 30.12.1916 = „ 239,—
n 25.7.1914: 100 K. schwed. = „ 112,— ” nn » 39.12.1916 = „ 172,—
„ 25.7.1914: 100 Fr.schweiz.== „ 81,40 x 30.12.1916 = „ 117,—
Man nennt Valuta den Wert der einheimischen Zahlungsmittel, [
gemessen am Wert der auswärtigen Zahlungsmittel. Wie kommt es,
daß die deutsche Valuta während des Krieges eine so große Entwertung
aufweist? Und wie erklärt es sich andererseits, daß in Friedenszeiten
unsere Valuta gegenüber allen anderen Ländern mit Goldwährung
immer einen so unabänderlichen Stand hatte? Man kann den Kurszettel
seit Bestehen.der deutschen Goldwährung, also seit 1876, nachsehen,
wann man will, immer stand z. B. der Kurs der Francswechsel so,
daß man nicht mehr als etwa 81 M. für 100 Fr. zu zahlen hatte. Dies
erklärt sich daher, daß die Valuta bei ihrem normalen Stand einen ]
festen Preis hat. Man kann sagen: Geld ist die einzige Ware, die SE
festen Preis hat. Im Inland ist der Preis des Geldes ein fester, weil nach
‚den Bestimmungen des Münzgesetzes aus einem Kilo feinen Goldes
h259 Zehnmarkstücke ausgeprägt werden. Das ausländische Geld hat
für uns ebenfalls einen festen Preis, und zwar ist er fixiert durch die
Menge an Gold, die in den ausländischen Goldmünzen enthalten ist,
K. Diehl, Geldwesen und Valuta.
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