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Seefischerei an der Küste von Marokko.
Der Fischreichtum der Küsten von Marokko von 7000 qkm durch Fischereidampfer ausgebeutet
war lange Zeit hindurch in Vergessenheit geraten. werden. Eine in Cadix etablierte Gesellschaft ar-
Man entdeckt ihn jetzt aufs neue. In früherer Zeit beitet mit Erfolg auf diesen ergiebigen Gründen.
hatten die Küstenstriche am Atlantischen Ozean in Sie besitzt 5 Dampfer, die zwischen Larasch und
der Nähe von Mogador und weiter südlich gegen- Casablanca fischen. Nördlich von Larasch bis zum
über den Kanarischen Inseln ein festgegründetes Re- (Cap Spartel wird die Fischerei von Traditions wegen
nommee und boten den Seefischern reichen Ertrag. nicht ausgeübt.
Eine unlängst von der holländischen Regierung ent- Eine Art Schellfisch findet sich in grossen
sandte wissenschaftliche Expedition, die von zwei Mengen am Cap Blanc (südlich von Masagan).
Fischdampfern begleitet war, hatte vielversprechende Ebenfalls in beträchtlichen Mengen kommt dort die
praktische Ergebnisse für die Niederlande. Languste (Stachelhummer) vor. Ein Reeder aus
Die Gewässer der Meerenge von Gibraltar wer- Tunis hat dorthin kürzlich einen für den Transport
den seit vielen Jahren von Tarifa und Ceuta aus von lebenden Schaltieren eingerichteten Dampfer ent-
abgefischt. Der Thunfischfang spielt dort eine grosse sandt. Der Erfolg war befriedigend zu nennen in
Rolle. Bei Ceuta ist dieser Fisch in enormen Men- Anbetracht des Umstandes, dass in diesen warmen
gen vorhanden und bildet einen der wichtigsten Aus- Gegenden die Anwendung von Eis grossen Schwierig-
fuhrartikel dieses Platzes. keiten unterliegt. — Auch weiter südlich wird
Die Küste des Rifgebiets wird von den Einge- neuerdings von französischer Seite der bedeutende
borenen Bled ed Hut (Land des Fisches) genannt. _Fischreichtum mittelst moderner Dampfer ausgebeutet.
Zur Ausbeutung dieser maritimen Reichtümer hat Die Seefischerei von Marokko ist durch die Ar-
sich in neuerer Zeit in Nemours (Algerien) eine tikel 56—60 des spanisch-marokkanischen _Handels-
Gesellschaft gebildet, deren Betrieb auf das Beste vertrages vom 20. November 1861 geregelt. For-
gedeiht. An dem wegen seines Fischreichtums früher mell ist die Fischerei frei von der marokkanisch-
viel besuchten Mar Chica haben auch die Spa- algerischen Grenze bis zum Cap Juby am Rande der
nier neuerdings der Fischerei ihre Aufmerksamkeit Sahara. Jedoch sollen die zum Zwecke des Fisch-
zugewendet. fangs die Küsten von Marokko aufsuchenden Schiffe
Was die an der marokkanischen Küste vorkom- eine jährliche Abgabe von 150 Duros an den Mach-
menden Fischarten betrifft, so ist in erster Linie die sen zahlen. Da Marokko keine Polizeidampfer hat,
Sardine zu nennen. Die bei Tanger gefischte ist diese Bestimmung aber ganz platonischer Natur.
Menge dieses geschätzten Fisches wird auf jährlich In gleicher Weise unterliegen der Abgaben-
300 Millionen Stück berechnet. Der Preis geht zu« pflicht die Korallen fischerei, die einst in grossem
weilen auf 2 Peseten (A 65 Pfg.) für 100 kg her- Umfange in der Gegend von Ceuta betrieben
unter. Obwohl etwas kleiner als die europäische wurde, und die Schwammfischerei, die jedes
Sardine ist die Marokkosardine mit gutem Gewinn Jahr etwa ein Dutzend griechischer Spezialfahrzeuge
abzusetzen. an die Küste des Rif führt.
Ein ebenfalls sehr häufig vorkommender Fisch in Auch die Flussfischerei ist angesichts
den nördlichen Küstenstrichen von Marokko ist die des grossen Fischreichtums der marokkanischen Flüsse
Makrele, die Portugiesen und Spanier auf der nicht ohne Interesse. Gegen das Ende des Winters
Höhe von Cap Spartel in überreichen Quantitäten steigen alljährlich grosse Züge von Alsen den Luk-
fischen. Man findet den Fisch auch weiter im Sü- _kos (bei Larasch), den Sbu (bei Mehedija, nördlich
den, wo er in Gemeinschaft mit den Alsen des von Rabat) und vor allem den Umerrebia (bei
Umerrebiaflusses (bei Asemmur) vorkommt, deren Asemmur) hinauf. Grosse Sandbänke im Unterlauf
Fang vom Sultan Mulay Ismael (um 1700) für jähr- dieses Flusses geben die Möglichkeit, sie aufzuhalten.
lich 10000 Duros (40 000.— Mark) verpachtet wor- Diese Sandbänke würden zugleich das Haupthindernis
den war. für die Fahrzeuge sein, die die genannten Flüsse
Nach der Berechnung des Gelehrten Gaston befahren wollten. Die Alse könnte in geräuchertem
Buchet, der von dem französischen Ministerium mit Zustande vorteilhaft nach Europa ausgeführt werden.
einer entsprechenden Mission betraut war, kann von Gegenwärtig ist ihre Ausfuhr verboten, d. h. im
Cap Spartel bis Cap Agadir (am Sus) eine Fläche marokkanischen Zolltarif nicht vorgesehen.