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Die Völkerschaften Nord-Westafrikas.
Die Berber und Mauren.
Die Berber (oder Berbern) sind die ältesten Be- handen sind, gehörten zur Völkerfamilie der Berber. In
wohner Nordafrikas westlich vom Nil, von denen wir ihren östlichen Verbreitungsbezirken sind sie in ihrer
Nachrichten haben. Sie gehören zur hamitischen Rasse, Lebensweise, Sprache etc. den Arabern sehr ähnlich ge-
sind aber durch Blutmischung mit Arabern, Negern usw. worden, im Westen, vornehmlich im Atlasgebirge und
in zahlreiche völlig verschiedene Stämme gespalten. Ihre auf den Kanarischen Inseln, zeigen die Berber einen fast
Kopfzahl dürfte im Ganzen 12—13 Millionen umfassen, europäischen Typus, und der hohe Prozentsatz Blonder
ihre Hauptwohnsitze sind das Atlasgebiet, die Wüste und Blauäugiger unter ihnen, zusammen mit ihren krie-
bis zum Senegal, dem Niger und den Grenzen ÄgyP- gerischen Eigenschaften, der burgartigen Anlage von
tens. Im Gegensatz zu den Arabern sind die Berber Gehöften und Dörfern etc. hat vielfach dazu geführt, hier
ihrer grossen Mehrzahl nach ansässig. Sie treiben einen germanischen Rasseneinschlag (etwa durch die
Ackerbau, Gewerbe und Handel, wohnen in befestigten Vandalen) anzunehmen.
En Und auch N EHE sind. meist für. Ver: Die Rif-Berber, d. h. die Berber der marok-
en ach Dekeiten EP kanischen Nordküste, sind sehr kriegerisch und durch
Is Ka ei ekennen N 1 ren Yu a ZUM ihre Vertrautheit mit dem Gelände gefährliche Gegner,
POT. Die sind Im al gemeinen. relig'6s sehr duldsam, besonders seit sie mit neuesten Feuerwaffen versorgt
wachen dagegen eifersüchtig über Familien- und Stammes- Sind
ehre. Die Stellung der Frau ist der des Mannes eben- .
bürtig, Polygamie ist (wenigstens bei den Landbewoh- Vielfach werden die Berber auch als „Mauren“ be-
nern) unbekannt. An Sittenstrenge stehen sie meist weit zeichnet, doch sind nach den üblichen Begriffen Mauren
über den Arabern der gleichen Landstriche. Ihre In- und Berber scharf zu trennen und die Mauren eher mit
telligenz ist hoch entwickelt, besonders als Handwerker den Arabern als verwandt zu bezeichnen.
zeigen sie grosse Geschicklichkeit. Unter Mauren versteht man eigentlich die aus
Zu den Berbern gehören die Masigh, die Kabylen, Spanien, nach dem Zusammenbruch der dortigen
die Moghrabi (Mogrebiner) und die Tuareg (letztere islamischen Herrschaft, zurückgewanderten Araber, die
beiden vorwiegend Nomadenstämme). Auch die Gu- durch ihre Berührung mit spanischer Kultur und Ver-
antschen, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, von mischung mit spanischem Blut einen edleren Typus
denen gegenwärtig nur noch stark vermischte Reste vor- angenommen haben.
Die Juden von Marokko.
Die marokkanische Judenschaft stammt zum Teil bar unterdrückt sind*), dass sie jederzeit auf Plünderung
noch aus der Zeit vor der arabischen Eroberung, zum und Totschlag gefasst sein müssen, und dass — wer es
anderen Teil aus der Zeit der spanischen Judenaus- nur einigermassen kann — in der Auswanderung sein
treibungen (um 1500). „Eingeborene“ und „Spanische“ Heil sucht. So finden wir eine grosse Anzahl marokka-
Juden halten sich noch heute vielfach gesondert, haben nischer Juden im nahen Gibraltar, in Algerien und Tu-
verschiedene Riten und besondere Synagogen. nesien, in Ägypten und in der Türkei (speziell in Pa-
Über die Juden von Marokko kann man sehr ver- lästina), und ihre Gesamtzahl, die vor wenigen Jahren
schiedenartige Urteile hören. Nach den einen sind sie — *) Auf dem flachen Lande befinden sich die Juden viel-
And underdrieht. An, anderen sind sie selbst ausgebeulet fıchin diner Art Tolbeigengohaft Aber auch In den meisien
und unterdrückt. Allenfalls darin stimmen die meisten der Mellah, wohnen; sie müssen sich in ‚ährer Kleidung von der
ü i i i nstigen Bevölkerun; 8; i ü i i
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