Full text: Handbuch über die wirtschaftlichen Verhältnisse Marokkos und Persiens, sowie ihrer Nachbargebiete

77 Die Nachbarländer Marokkos. Sn 18 
2. Spanisch-Nordafrika. 
Die spanischen Presidios. 
An der Nordküste Marokkos, in der Nähe des ' auch der Name Ceutas (von „Septa“) abgeleitet wird, 
Kap Tres Forkas, besitzt Spanien bekanntlich einige 1und bis zur Eroberung durch die Araber war der 
befestigte Punkte, die zum Teil auch als Deportations- Ort an zweihundert Jahre lang unter byzantinischer 
orte für Sträflinge dienen. Der spanische Besitz dieser Herrschaft gewesen. So hat diese Lage an den 
Presidios geht bis auf die Zeit unmittelbar nach der Säulen des Herkules von jeher dem Gebiet der heuti- 
Vertreibung der Mauren aus Spanien zurück. gen Meerenge von Gibraltar eine besondere Bedeutung 
Wenigstens wurde Melilla im Jahre 1496 von Me- verliehen, und wohl bis in die fernste Zukunft wird 
dina Sidonia erobert, und die wichtigste Festung, viel davon abhängen, wer hier — sei es in Ceuta 
Ceuta, die schon seit 1415 (Eroberung durch Hein- und Melilla, sei es in Gibraltar — die Strasse vom At- 
rich den Seefahrer) portugiesisch gewesen war, ging _lantischen Ozean zum Mittelmeer beherrscht. 
im Jahre 1580 an Spanien über. Ihren Besitzungen um Ceuta und Melilla haben 
Für den Fall einer Veräusserung seiner nordafri- die Spanier im Verlaufe der letzten marokkanischen 
kanischen Besitzungen hat Spanien vor mehreren Wirren erweiterte Grenzen gegeben. Oestlich von 
Jahren durch einen speziellen Vertrag Frankreich Melilla haben sie unter der Formel, die Verbindung 
das Vorkaufsrecht eingeräumt, ein Vorrecht, zwischen diesem Presidio und den Chafarinas-Inseln 
das für die Festsetzung Frankreichs in Marokko zu sichern, das genau südlich von diesen unweit der 
jederzeit die grösste Bedeutung gewinnen könnte. Muluya-Mündung liegende Capo del Agua (Cap de 
Bis auf Ceuta, das zur Provinz Cadiz ge- Eau) und Mar Chica, halbwegs zwischen Melilla 
rechnet wird, bilden die Presidios einen besonderen und dem genannten Kap, besetzt. 
Verwaltungsbezirk, auf dessen 33 Quadratkilometer 
nach dem letzten Census 10282 Einwohner (darunter Rio de Oro. 
3348 Militärpersonen und 715 Sträflinge) entfielen. Diese spanische Kolonie mit dem so reich 
Ceuta allein zählt ca. 13000 Einwohner und sein klingenden Namen — Rio de Oro heisst Goldfluss 
Stadtgebiet umfasst ebenfalls 33 Quadratkilometer, .—_. hat trotz ihrer grossen Ausdehnung von über 
also so viel wie die anderen Presidios zusammen- 185000 Quadratkilometern wirtschaftlich so gut wie 
genommen. gar keine Bedeutung. Auf ihrer Fläche von fast genau 
Sieht man von der willkürlichen Zuteilung Ceutas einem Drittel des Areals von Deutschland leben 
zur Provinz Cadiz ab, so ergibt sich für die Presi- etwa 130000 Einwohner. Das ist noch nicht einmal 
dios ein Gesamtareal von 66 Quadratkilometer mit einer per qkm, oder eine Bevölkerungsdichte, die 
ca. 23500 Einwohnern, die sich auf die einzelnen noch lange nicht ein Hundertstel von der des 
Plätze wie folgt verteilen (hierbei entspricht die Deutschen Reiches beträgt! | 
Reihenfolge der Richtung von West nach Ost): Viele Landkarten zeigen von diesem Gebiete nichts 
Ceuta a a 13.000 Einwohner als die Grenzen und den Namen der Kolonie — allen- 
Penon de la Gomera (oder falls findet man noch die beiden Bezeichnungen Kap 
P. de Nelez) ze 321 Bojador und Kap Blanco am nördlichsten und süd- 
AluCemas ee a ee 353 » lichsten Punkt der Küste als Grenzmarken einge- 
Melilla (stark befestigt) . . 8956 » zeichnet. Der einzige nennenswerte Ausfuhrartikel des 
Chafarinas Inseln (im Golfe Gebiets sind Fische, von denen nach der letzten 
von Melilla). a 652 » Statistik ganze 1100 Tonnen exportiert wurden. Die 
Von diesen Plätzen ist Ceuta schon im Alter- Kolonie ist seit 1900 mit der spanischen Provinz der 
tum eine bewohnte Stadt und ein strategischer Kanarischen Inseln administrativ verbunden. 
Punkt gewesen. Die Römer hatten hier die Kolonie Der Hauptort des Gebietes ist Cisneros, ein 
„ad septem fratres“ (nach dem siebenzackigen Berge elender Flecken mit einem kleinen Fort, an der Bucht 
der kleinen 5 Kilometer langen Halbinsel), woher des Rio de Oro gelegen.
	        
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