fullscreen: Die deutsche Wirtschaft

Deutsche Wirtschaftsbeziehungen zu Österreich. 239 
einem möglichen Vergleiche ziehe ich Bayern (ohne Pfalz) bei, weil 
dieses Land 1870 in fast ähnlicher Lage war und an Umfang sowie Be- 
schaffenheit Deutschösterreich am nächsten kommt. Meine Quellen 
sind die statistischen Handbücher von Berlin und Wien. 
Der Flächeninhalt Deutschösterreichs beträgt (nach oben ab- 
gerundet) 84 000 qkm, Bayerns 76 000 qkm. 
Es wohnen auf 1 qkm in Deutschösterreich 77, in Bayern 90, in 
Preußen 115 und in der bayerischen Pfalz sogar 160 Menschen! Da 
Bayern in der Bevölkerungsdichte um 25 Köpfe hinter Preußen zurück- 
geblieben ist, kann Österreich sicher 17 v.H. mehr Menschen Raum 
gewähren, um erst auf die bayerische Dichte zu kommen. 
Und nun zur Land- und Forstwirtschaft. 
Zuerst die Forstwirtschaft: 
Deutsch-Österreich hat rund 4 Millionen Hektar Wald- Bayern 
42%, (che mit einem Jahreszuwachs (It. Forstrat Henrich) 2,5 Millionen 
von je 2'/, Festmetern, total 10 Millionen Festmeter. 33% 
Die Acker- und Feldwirtschaft: 
Deutsch-Österreich Bayern 
23 °/, rund 2200 0C0 Hektar Ackerland 3 050 000 Hektar 40 °/, 
1% u 1090000; 1  Wiesenland 1 300 000 U 171% 
Sn 270000 „„ Alpwiesen 260 000°... 3% 
1% 88000 „ Weinland 25 000, a 
Die österreichische Statistik für 1913 zeigt, daß in dem Jahre an 
Getreide 7506000 qu im Werte von 97299 000 Kr. von der ganzen 
Monarchie Österreich eingeführt wurden und für damals rund 29 000 000 
Einwohner, und müßten theoretisch für die jetzigen 6% Millionen 
1,7 Millionen qu Getreide genügen, wonach durch vermehrten Anbau 
über die Hälfte = 890000 qu Getreide erspart würden, Der dann, 
auch theoretisch entwickelte, restliche Einfuhrbedarf würde durch den 
inländischen Kartoffelzuwachs ganz überflüssig. Nach alledem sind auf 
dem Gebiete des Ackerbaues und der Viehzucht ganz gewiß die 
Vorbedingungen gegeben, welche die Eigenernährung 
von Mensch und Tier gewährleisten, selbst dann, wenn die jetzige Be- 
völkerungsdichte Deutschösterreichs, 77, sich auf die bayerische Dichte, 
90 Menschen per 1 qkm, hebt. Dazu kommt, daß im Moment der 
gesicherten Eigenernährung die Einfuhr von Getreide auf- 
hört und somit 1,7 Millionen Doppelzentner in Milliardenwerten nicht 
mehr dem Auslande bezahlt werden müßten. 
Mit einem bekannten Fachmann Österreichs habe ich ermittelt, daß 
die österreichische Landwirtschaft seither und durchschnittlich jährlich 
an Kunstdünger verbrauchte:
	        
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