Full text: Handbuch über die wirtschaftlichen Verhältnisse Marokkos und Persiens, sowie ihrer Nachbargebiete

115 Die bedeutenderen Gewerbezweige Persiens. 116 
Teppichpreise um etwa 20 bis 25 % sanken, was bei Birdschand und Mesched gewebt, und zwar meist 
einer so hochwertigen Ware eine ganz beträchtliche in einer hervorragenden Güte und Qualität. Sie finden 
Summe ausmacht. hauptsächlich zu einem mantelartigen Ueberwurf (der 
In Yezd und Umsesend wird eine Art grober 2ueh manchmal in anderen Stoffen gefertigt wird), den 
Baumwollteppiche gemacht, die zur Bodelbekoung Jast jeder Perser benutzt, Anwendung. 
such Yon, minder Beinen erweret werte inet. Dis Material für die Webereien wurde früter 
es x n hauptsächlich in Persien selbst hergestellt, während es 
NO Hl h X Pa N Or GE nn vn Dur ES heute, wenigstens soweit es sich um die feineren zur 
N edles m em und _Ginsboden weich und warm zu Weberei benötigten Baumwollgarne handelt, aus In- 
SCEEKCH ZN dien oder Europa bezogen wird. Indien hat 
Kelim: In Schuschter werden Kelims in CInem jn neuerer Zeit den englischen Herkünften den Rang 
ganz charakteristischen Muster und immer in ‚wieder- abgelaufen... Wolle kommt sowohl zur Stoffweberei 
kehrenden Farben, meist rot, grün und weiss auf- als auch zur Teppichfabrikation hauptsächlich aus 
weisend, gewebt. Die Heimat schöner Kelims aber ist En gland. Die Seide aber wird fast ausnahmslos 
Kurdistan, und zwar in allererster Reihe aus eigenem Produkt und nur ausnahmsweise mit 
Sinneh, einige Tagereisen nördlich von Kerman- chinesischem Material hergestellt. 
schah gelegen. Die dort gefertigten Kelims sind ; 
nicht, wie die türkischen zweiteili g , sondern Die Kattunweberei , die vorzügliche Quali- 
im allgemeinen aus einem Stück gefertigt. Am täten fertigte und mit originellen Mustern bedruckt war, 
bekanntesten sind die in einer Grösse von ungefähr jst fast ganz eingeschlafen, seitdem Manchester seine 
1,20 zu 1,80 m gefertigten, als Gebetdecke gedachten billige Ware auf den persischen Markt geworfen hat. 
Kelims, die aber infolge ihrer Weichheit, Schmiegsam- 
keit und Dünnheit zu allen möglichen Dingen Verwen- Ihren alten Ruhm, aber nicht ihre alten vorzüg- 
dung finden und ein beliebter Exportartikel geworden lichen Qualitäten haben sich die Kirman-Shawls 
sind. Diese Kelims in gröberer, grösserer Ausführung bewahrt. Zu dem guten Anzuge des Persers gehört 
werden in Kurdistan vielfach auch als Fussbodenbelag dieser Leibshawl, der teils aus Seide oder Halbseide, 
hergestellt und erreichen dann eine Grösse von etwa vorzüglich aber aus feiner Wolle, oft Kaschmir, ge- 
2 bis 2% m Breite zu 3 bis 4 m Länge. Das grösste fertigt ist und seinen Rändern mit einer bunten, meist 
Stück, das seit Jahren aufgetaucht ist und für das Palmettenmuster zeigenden Handstickerei verziert ist. 
Prunkzelt eines kurdischen Stammesoberhaupts gefertigt Solche Shawls, ohne Stickerei, in einfacher Ausführung, 
war, mass 4 zu 8 m. gibt es schon für 8 bis 30 Mk., je nach den Stoffen. 
Schon der mittelbegüterte Perser trägt häufig einen 
Weberei. solchen im Werte von etwa 60 bis 200 Mk., und Stücke 
Weniger für den Weltmarkt in Erscheinung tretend, von 500 bis S00 Mk. sind keine Seltenheit. Es gibt 
aber doch von einer grossen Bedeutung ist die auch solche bis in die Tausende hinein. Kirman ist 
Weberei Persiens. Zwar zeigt sie von allen Ge- überhaupt der Platz für feine Handar be ite n, 
werben den merklichsten Rückgang, sowohl in Applika ti onen usw., aber fast ausschliesslich in 
der Qualität des verwendeten Materials, als auch in der bunter Ausführung. 
Güte der Ausführung und der Muster. Das erstere ist eine 
Folge des sinkenden Wohlstandes, das letztere hängt mit Spinnerei . 
dem immer stärkeren und weiteren Vordringen europä- Ein für die ganze Weberei ; : 
ischer Kleidung und damit europäischer Stoffe und Muster wichtiges N Nelenze Werne ist die sn i EEE 
zusammen. Das Zentrum der Stoffweberei ist Yezd. fast ausschliesslich im Heim betrieb, und zwar 
Dann kommen Kirman, Mesched und für feinere überwiegend als Nebenbeschäftigung der 
Stoffe auch Kaschan in Betracht. Die geferügten Frauen und auch der Männer in den Wintermonaten 
Stoffe sind mannigfacher Art. Man webt ganz seidene ausgeübt wird. 
Stoffe, die aber selten „unie“, sondern meistens ge- 
streift oder geflammt sind. Die früher in hoher Blüte Auf dem Gebiete der Spinnerei liegt in Persien 
befindliche Brokatwebe rei, die man vielfach noch ein weites, fruchtbares Feld für eine moderne, ge- 
mit echtem Gold und Silber webte, ist so gut wie ganz werbliche oder industrielle Betätigung vor. Das 
erloschen, kommt aber hier und da in Kaschan Material dazu, Baumwolle und Wolle, deren erstere 
noch vor. Halbseidene Stoffe werden in grösserer jetzt meistens nach Russland exportiert wird und als 
Zahl in. Yezd und Mesched gefertigt. Wollene Stoff veredelt zurückkommt, sind beide in entsprechen- 
Stoffe werden ebenfalls in Yezd , dann aber auch in der Qualität im Lande ausreichend vorhanden.
	        
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