Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

Vorwort. V11 
existierten, weil sie sie unter deren dunklem Schatten nicht 
zu sehen vermochte. 
In meiner vierten Abhandlung, deren erster Teil eine Ge- 
schichte und Kritik der Wirtschaftsstufentheorien enthält, schil- 
dere ich in einem zweiten insbesondere die Stufe der Stadt- 
wirtschaft und nehme dabei Anlaß festzustellen, daß die Stadt- 
wirtschaft nicht einen so ges.hlossenen Charakter hat, wie ihn 
ihr manche Forscher, als ihr Führer K. Bücher, ~ in einigen 
Beziehungen wiederum unter der Einwirtung von Elementen 
der hofrechtlichen Theorie ~ zusprechen. Der Vertehr von 
Ort zu Ort ist stärter, die Liste der Waren, die einen weiten 
Weg über einen Ort hinaus machen, größer, als man oft 
angenommen hat. Ich warne hier vor der Unterschätzung des 
mittelalterlichen Handels. Doch sehe ich mich nicht etwa ver- 
anlaßt, den Ausdruck Stadtwirtschaft und die durch ihn ver- 
tretene Anschauung, daß dem mittelalterlichen Handel engere 
Grenzen gezogen sind, zu verwerfen. Dem Mittelalter ist 
eine Tendenz der Beschräntung des Handels auf das Ge- 
meindegebiet, die teils in den Verhältnissen, teils in bewußter 
Politik der Stadtgemeinden liegt, eigen. Freilich ist diese 
Tendenz nie auch nur annähernd vollständig und im einzelnen 
in sehr verschiedenem Maß verwirtlicht worden. 
Zwei andere Abhandlungen vervollständigen jenen Nach- 
weis. In der sechsten trete ich der Meinung derjenigen ent 
gegen, die den mittelalterlichen Handel gar zu hoch anschlagen, 
fast ganz wie einen modernen auffassen und in den alten 
Städten insbesondere Scharen von berufsmäßigen Groß- 
händlern zu sehen glauben. Charatteristisch ist für das Mittel- 
alter die Vereinigung von Groß- und Kleinhandel in einer 
Hand. Die Importeure sind überwiegend die Produzenten 
und die Kleinhändler. Der Kaufmann, der sich berufsmäßig 
auf die Ausübung des Großhandels beschränkt, ist eine späte 
Ausnahme. Wenn ich in dieser Abhandlung davor warne, die 
in der vierten hervorgehobene Bedeutung des mittelalterlichen 
Handels gar zu hoch anzuschlagen, und darlege, daß der 
mittelalterliche Handel doch seine Grenzen hatte, daß er sich
	        
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