III. Die Fürsorge des Staates für die Land-„Jlandwirtschaftliche
Gesellschaften“ (,„Vociétés d’agriculture“,
in Deutschland nachgeahmt unter dem Namen der „ökonomischen
Gesellschaften“) schuf, welche der landwirtschaftlichen Bevölkerung
Belehrungen erteilten und der Regierung Vorschläge zur Hebung
der Landwirtschaft unterbreiteten!). In der physiokratischen
Theorie bildet einen wesentlichen Zug der Gegensatz gegen die
stadtwirtschaftlich-merkantilistische Beherrschung des platten Landes.
Die Physiokraten wollten den Landmann von der Herrschaft
des Städters befreien. Sie verlangten denn auch freie
Getreideausfuhr und freien Viehhandel.
Der Physiokcratismus ist eine nationalökonomische Theorie.
Aber auch ganz allgemeine geistige Strömungen des 18. Jahrhunderts
kamen der Schätzung des Landes und der Landleute
zustatten. Die Rousseausche Forderung der Rückkehr zur Natur
ließ die bisher so verachteten Bauern jeßt in einem anderen
Lichte erscheinen. Die Poesie wandte sich liebevoll dem ländlichen
Leben zu. Wir erinnern an Salomon Geßner mit seinen
Idyllen. Es ist eine interessante Tatsache, daß der Physiokrat
Turgot, der französische Minister, der in Frankreich die Theorien
der Physiokratie praktisch verwirklichen wollte, der in Frankreich
im Interesse der Landwirtschaft für die Freiheit des Getreidehandels
kämpfte, Geßners Jdyllen übersetzt hat?).
man etwa von dem preußischen Königtum des 18. Jahrhunderts
absieht ~ den agrarischen Dingen ein allgemeineres, breiteres Interesse
vorher entgegengebracht worden? Vgl. auch Steph. Bauer,
in den Jahrbüchern f. Nationalökonomie, Bd. 55 (1890), S. 141;
O. Fengler, Die Wirtschaftspolitik Turgots und seiner Zeitgenossen
(Leipzig 1912), S. 93 ff.
1) O. Thiele, a. a. O. S. 555 f.
2) Es ließen sich hier noch interessante Beobachtungen anknüpfen.
So mag darauf hingewiesen werden, daß in der Schweiz die Auffassung
vom Volkslied unter Bodnier und Lavater noch wesentlich aufklärerisch
ist. In der folgenden Zeit steht die Schweiz im Hintertreffen: nur sehr
langsam den Anregungen Herders, dann der Romantiker und der neu
erwachsenden germanistischen VWissenschaft folgend. D. L. Z., 1914,
Nr. 49, Sp. 2609. ~ Oberlin (der Pfarrer des Steintals), der feingebildete
Städter, verlegte sich aus Liebe zu der Landbevölkerung
auf die Landwirtschaft. K. E. Boch, Das Steintal im Elsaß, S. 234.
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