Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

wirtschast eine Errungenschaft der Neuzeit. 115
und die wehrhaften Städte, die ehrenfesten Zunftmeister stehen
in der romantischen Literatur vorerst im Vordergrund'). Bei
den einzelnen Autoren finden sich wohl Unterschiede; Walter
Scott etwa beschränkt sich mehr auf die Schilderung der ritterlichen
 Gesellschaft als mancher andere. Immer aber sind es
die bevorzugten Gruppen des Mittelalters, denen man die
breiteste Aufmerksamkeit widmet. Auch die Stadt erhält daher
ihren Platz. Achim v. Arnim zeichnet in seinen „Kronenwächtern“
liebevoll das Treiben in der deutschen Reichsstadt, und E. Th.
A. Hoffmann schildert in seiner Novelle „Meister Martin der
Küfer und seine Gesellen“den zuverlässigen, fest auf sich stehenden
Handwerksmeister des Mittelalters. Es ist indessen das Bild,
das die Romantiker von der sständischen Gliederung entwerfen,
nicht mehr ganz das mittelalterliche. Zunächst kommt das Land
schon deshalb mehr zur Geltung, weil der Edelmann jetzt Landmann,
 nicht mehr vornehmlich kriegerischer Ritter, weil er somit
jeßt ganz mit dem Land verwachsen ist. Es wird ferner der
Grundherr, den die Romantiker schildern, in einem idealen Verhältnis
 zu seinen Bauern aufgefaßt; er hat ihnen gegenüber
nicht bloß Rechte, sondern auch Pflichten; der Landbau. ist direkt
als ein Amt aufzufassen. Obwohl ja solche Gedanken dem Mittelalter
 selbst keineswegs fremd gewesen sind (auch. abgesehen von
der unmittelbaren Verpflichtung des Grundherrn gegenüber
seinen Hörigen), so werden sie doch jetzt stärker betont, von den
!) Über die historischen Romane deutscher Romantiker vgl. Zeitschr.
f. deutsches Altertum, Anzeiger, Bd. 31, S. 192 ff. K. Wagner, Die
historischen Motive in Arnims „Kronenwächter“, 2 Teile, Programm
des Realgymnasiums in Goldap, 1908 und 1910. Über die nationalökonomische
 Fachliteratur siehe F. Lenz, Agrarlehre und Agrarpolitik
der deutschen Romantik (1912); K. F. v. Rumohr, Ursprung der Besitzlosigkeit
 des Kolonen im neueren Toscana (1830), S. 158 (über
das Verhältnis des größeren Landbesißes zum bäuerlichen). R. gehörte
 zu den Romantikern, die das städtische Kapital anklagten, dem
Bauernstand schädlich zu sein. Siehe darüber die Abhandlung über
den Ursprung des Marxismus in meiner „Geschichtsschreibung von
den Befreiungskriegen bis zu unseren Tagen“ S. 124 ff. Zur Steliung
der Romantik zur. Agrarfrage vgl. auch die Freiburger Prorektoratsrede
 von H. Finke (1918) über F. Schlegel.

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