Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit. 113
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schon dahin gediehen,
daß (in Westdeutschland) man bei der Unfreiheit als drückend
hauptsächlich nur noch den entehrenden Namen empfand, daß
man die Leibeigenschaft als ,„politischen Schnickschnack“ bezeichnete
 und davon sprach, daß „heut zu Tag ein Leibeigener und
anderer gemeiner Bauer fast wie zwei Tropfen Wasser einander
gleich sehen“ (so im Jahr 1759).!1) Freilich handelt es sich
hierbei weniger um unmittelbare Verdienste des Staats.
Wir gedachten ferner der Verdienste der romantischen Bewegung
 um die Belebung des Interessses für die Landwirtschaft.
Wenn die Romantik es unternahm, die Zeichen und Zeiten des
Mittelalters zu deuten und zu verstehen, so hat sie darin einen
Vorläufer in J. Möser?). Er steht zwar zum Teil im Zusammenhang
 der geschilderten Bestrebungen des 18. Jahrhunderts.
Die Aufteilung der Allmenden billigt er, und es ist auch noch
nichts Besonderes, wenn.„er für freien Getreidehandel, gegen
die Ausfuhrverbote eintritt. Aber die liebevolle Vertiefung
in die Vergangenheit nähert ihn den Romantikern. Sie führt
ihn zur Wertschäzung der Zünfte, deren Grundsätze er gegen
den Reichsschluß von 1731 verteidigt hats). Von der liebevollen
Vertiefung in die Vergangenheit aus wandte er jedoch auch
dem Landmann sein volles Interesse zu. Er lebte in den Zuständen
 seiner wesstfälischen Heimat?), die er historisch verstand
und als einen Idealzustand betrachiete. Er wollte jedem Stand,
dem Städter wie dem Edelmann und dem Bauern, seine besondere
 Standesehre nach alter Art gewahrt wissen. Der niedersächsische
 Bauer hatte sich trotß der Zurücksetzung, die er im Mittel-1)
 Th. Knapp, Beiträge S. 368 und 388.
2) Vgl. F. Frensdorff, Hansische Geschichtsblätter, 1907, S. 85.
Zur Würdigung Mösers siehe ferner M. Ritter, H. Z., Bd. 112, S. 109 ff.
(Entwicklung der Geschichtswissenschaft S. 287 ff.); O. Hatzig, Justus
Möser als Staatsmann und Publizist, S. 72 ff., 122 ff., 127, 145 ff.;
Dilthey, Deutsche Rundschau, Bd. 108, S. 366; Hedemann in: Fesltsst
 k§§ F h.. H >s “F. . 3, 7, 44, 84, 86; Hatig, S. 124.
*) Dilthey, Das 18. Jahrhundert und die geschichtliche Welt,
Deutsche Rundschau, Bd. 108, S. 366.
v. Be lotv. Wirtschaftsaeschintte 2 Auf!
            
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