12 III. Die Fürsorge des Staates für die Landder
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Gegensatz gegen den
Freiherrn vom Stein gegen Bauernschutz und innere Kolonisation
und nimmt mehr die Interessen der Gutsherren als die der
Bauern wahr!). „Schöns Ideal war das rein chrematistische der
klassischen Nationalökonomie, die höchstmögliche Produktion,
die man, nach dem Stand der damaligen Technik nicht mit Unrecht,
mit dem Großbetrieb unlöslich verbunden glaubte. Unter
Bauernbefreiung verstand er demgemäß die Dissoziation von
Bauerund Land, die Herabdrückung der Bauern zu. Tagelöhnern
und die Zusammenfassung der Bauerngüter zu Großbetrieben.
In diesem Sinn machte er wohl Versuche, Kapital ins Land zu
ziehen, um die ländlichen Großbetriebe zu intensivieren, sah
aber bäuerliche Einwanderung nach Ostpreußen, die mit der
Errichtung neuer Stellen verbunden gewesen wäre, geradezu
ungern.''?
. Arbeit des Liberalismus zugunsten des Bauernstandes
wäre nur noch etwa aus seiner späteren Zeit hinzu-1)
Eduard Wilhelm Mayer, Das Retablissement Ost- und Westpreußens
unter der Mitwirkung und Leitung Theodor v. Schöns
(Jena 1916), S. 39 ff., 99. S. VII zeichnet Mayer fein den Gegenssaß
von Stein und Schön: „Dem Freiherrn vom Stein, dessen Politik
so stark durch geschichtliche Vorstellungen bedingt ist, hat Schön es
zeitlebens nachgetragen, daß er bei staatsmännischen Erwägungen
gar so viel auf den „Notizenkram“ gegeben habe. Aufgewachsen in den
Anschauungen des Rationalismus, sah Th. v. Schön nur die Gefahr,
daß die Geschichte als eine Vorratskammer von fertigen Mustern und
Beispielen mißbraucht werden könne, und diese Befürchtung hat ihn
blind gemacht für die reineren Wirkungen geschichtlicher Bildung,
wie hie gerade bei Stein zu beobachten sind." Bekannt ist der Gegensatz
zwischen Schön und Stein bei der Durchführung der Bauernbefreinug
in Preußen. Wenn F. Rühl Schön, der mit Erfolg dafür
eintrat, daß der staatliche Bauernschutz fallen gelassen wurde, mit
der Erwägung zu entschuldigen sucht, die Fragen, die uns heute in
dieser Beziehung bewegen, seien damals noch nicht aufgeworfen worden,
so zeigt die andere Auffassung von Stein, daß diese Entschuldigung
nicht standhält. Vgl. G. Hasse, Th. v. Schön und die Steinsche Wirtschaftsreform
(Leipzig 1915), S. 113 ff.
2) R. Leonhard, Archiv für Sozialwisssenschaft, Bd. 44, S. 840
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