Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit. 1 : 
allem wichtig, während sich die Notwendigkeit ergeben kann, 
der weiteren Entfaltung der Industrie Grenzen zu ziehen. 
Wir entfernen uns nicht vom Kern der neuzeitlichen Auf- 
fassung, wenn wir dem Handel und der Industrie nicht zu enge 
Grenzen gezogen sehen wollen, wenn wir vielmehr eine wach- 
sende Teilnahme unseres Vaterlandes am Welthandel als ge- 
geben und auch als wünschenswert ansehen. Allein wir haben 
uns überzeugt, daß die dem Mittelalter eigene einseitige Begün- 
stigung der städtischen Berufe keinen Platz mehr haben kann, daß 
die Förderung von Handel und: Gewerbe mit der Pflege der 
Landwirtschaft verbunden sein, an der Unentbehrlichkeit der 
Erhaltung einer leistungsfähigen Landwirtschaft und eines kräf- 
tigen Landvolks einen Regulator finden muß. Gerade die Er- 
fahrungen des jetzigen großen Kriegs haben uns den Wert der 
eigenen landwirtschaftlichen Hilfsquellen, des sich selbst ver- 
ssorgenden Staats, der starken eigenen Kräfte, wie militärisch so 
wirtschaftlich, in gesteigertem Maß erkennen lassen. 
Die Grundlage unserer Stellung in der Welt wird und soll 
unser starker Nationalstaat und sein Ausbau, unsere National- 
wirtschaft und ihre kräftigere Ausprägung, die Nationalisierung 
unserer wirtschaftlichen Verhältnisse bilden. Und wie die Er- 
kenntnis von der Bedeutung der eigenen Versorgung durch den 
Krieg gewachsen ist, so hatte sich schon vorher die von der Be- 
deutung des inneren Marktes für die heimische Industrie be- 
festigt. Aber unsere Autarkie soll nicht Jsolierung sein. Wir er- 
streben nur diejenige Autarkie, die mit einer mächtigen selb- 
ständigen Stellung gegeben ist. Wir wünschen Freiheit der 
Meere, um zu den andern Völkern in Beziehung zu treten!). 
Wenn Betrachtungen, wie wir sie soeben angestellt haben, 
zur Empfehlung der viel umstrittenen Agrarzölle beitragen, so 
ergibt sich ferner noch ein beträchtliches Feld für staatliches Ein- 
greifen zur Förderung der Landwirtschaft, das weniger um- 
stritten ist. 
1) Siehe Näheres hierzu in meiner Schrift: Mittelalterliche Stadt- 
wirtschast und gegenwärtige Kriegswirtschaft, .S. 39 f. 
JT
	        
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