Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

185 III. Die Fürsorge des Staates für die Land- 
Als Einrichtungen solcher Art ~ zum Teil haben wir ihrer 
schon gedacht + sind namentlich zu nennen das landwirtschaft- 
liche Unterrichtswesen, die Verwendung landwirtschaftlicher 
Sachverständiger bei den Vertretungen im Ausland, das 
landwirtschaftliche Vereinswesen, die Kreditorganisation, das 
gesamte Arbeitsgebiet der Generalkommissionen. Die Anre- 
gungen für die entsprechende staatliche Tätigkeit gehen überwie- 
gend von den Kreisen der Landwirte selbst aus'). Sie nehmen 
die Arbeit zum Teil oder, auf manchen Gebieten, sogar zum 
größern Teil auch selbst auf sich; die landwirtsschaftlichen Vereine, 
Genossenschaften, Landwirtschaftskammern haben bedeutende 
Leistungen aufzuweisen. Indessen wie der Staat schon durch 
seine Förderung des Vereins- und Genosssenschaftswesens seinen 
fördernden Einfluß ausübt, so wendet er jenen Bestrebungen 
überhaupt seine Gunst zu und greift zum beträchtlichen Teil 
mit eigener Arbeit dabei ein.. 
Die gewaltigen Leistungen der heutigen deutschen Land- 
wirtschaft sind, wie wir eben schon andeuteten, nicht bloß eine 
Wirkung der staatlichen Fürsorge. Eiserner Fleiß und weiter 
Blick des Landmanns, die Ausbildung einer eigenen Landwirt- 
schaftswisssenschaft, die Fortschritte der Wissenschaft, vor allem 
der Chemie, die treffliche Organisation der Landwirtschaft haben 
sich mit der staatlichen Fürsorge vereinigt. Der große Auf- 
schwung der Landwirtschaft ist nicht bloß durch die staatliche 
Hilfe, aber mit ihr erreicht worden. Gerade seit dem Beginn 
der neuen Wirtschaftspolitik Bismarcks, die die positive staat- 
liche Fürsorge für die Landwirtschaft auf ihr Programm schrieb, 
hat sich die deutsche Brotgetreideerzeugung außerordentlich ge- 
steigert, von 18801900 von 7'/, Mill. t auf 162/, Mill. t, also 
mehr als verdoppelt ?). Die Voraussage, daß die staatliche Für- 
sorge zur Erschlaffung des Unternehmungsgeisstes der Landwirte 
führen werde, hat sich keineswegs bewahrheitet. Und eine er- 
staunliche Leistung für alle Zeiten bleibt es, wie sehr Deutsch- 
1) W. v. Laer in: Beiträge usw., S. 181. 
2) W. Vogel, Die überseeische Getreideversorgung der Welt 
(Berlin 1915), S. 29. 
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