Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

III. Die Fürsorge des Staates für die Landwird
 vorausjichtlich sehr heftig werden, was denn die Möglichkeit,
 einen bestimmten Gang der Dinge vorauszusagen, ausschließt.
 Als unser Ideal, nach dem die auftauchenden Fragen
zu beantworten sein werden, betrachten wir die konkrete Erfassung
der bestimmten Bedürfnisse der Zeit. Allein diese Politik, die
den zeitlichen Moment zur Richtschnur nimmt, wird doch einer
darüber hinausgehenden Besinnung nicht entbehren können,
und eben für sie vermag die historische Betrachtung Dienste zu
leisten. So wenig wir aus der Beobachtung der bisherigen Entwicklung
 Richtlinien für unser praktisches Verhalten einfach ablesen
 können, so fördert uns doch der Blick auf die Tendenzen,
die in der Entwicklung liegen. Wir urteilen sicherer über die
Fragen des Tages, wenn wir auf die großen Zusammenhänge
achten, denen sie angehören. Bei der Stellung, die wir zu dem
Problem des staatlichen Schutzes der Landwirtschaft einnehmen,
macht es viel aus, ob die geschichtliche Betrachtung uns nötigt,
ihn als etwas Veraltetes, längst Überwundenes anzusehen oder
als etwas, was gerade durch die Bedürfnisse der neueren Zeit
gefordert wird. Und vor allem erwacht dann für die Geschichtsforschung
 eine Pflicht, wenn es sich, wie in unserm Fall, darum
 handelt, eine verbreitete historische Anschauung, die den
Blick für die Bedürfnissse des Tages trübt, zu berichtigen. Wie
man sich auch zu den konkreten wirtschaftspolitischen Forderungen
des Tages stellen mag, es ist ein Gewinn für die Erkenntnis
und demgemäß für die Entscheidung wirtschaftspolitischer Tagesfragen,
 wenn die Geschichtsforschung uns das zuverlässige Resultat
 an die Hand gibt, daß die historische Linie nicht auf den Rat
einer einseitigen Begünstigung der Stadt und der städtischen
Berufskreise hinzielt. Es ist namentlich auch wichtig, zu wisssen,
daß die strenge wirtschaftliche Autarkie zwar nicht unser Ideal
sein kann, daß aber die größte Leistungsfähigkeit unseres eigenen
Staats auf landwirtschaftlichem Gebiet doch unser Ruhm Fein
muß.
In der Gegenwart werden in den meisten Kulturstaaten
der Landwirtschaft große Opfer gebracht, bedeutende finanzielle
 Aufwendungen für sie gemacht. Wenn diese letzteren

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