154 UV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
das wirtschaftliche Leben, seine Organbildungen und Jnstitutionen
beherrschen“. Von dem mangelhaften Verkehr in der
älteren Zeit schweigt er zwar nicht ganz. Aber die Frage des
Güteraustausches scheint ihn doch nur wenig zu interessieren;
er betont hier in geringerem Grade als in seiner „Tucher- und
Weberzunft“ das spezifisch ökonomische Moment. Die Hauptsache
ist ihm durchweg die Wirtschaftspoliti k. Es ist charakteristisch
für seine Auffassung, wenn er vom Mittelalter sagt,
daß „Kaisertum, Kirche oder Landschaft kein eigentümlich wirtschaftliches
Leben, keine kräftigen wirtschaftlichen Organisationen
erzeugten“, und von der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert:
„Der territoriale Wirtschaftsorganismus wird zum Träger des
Fortschritts der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung;
die territorialen Einrichtungen werden. jeßt ebenso zur Hauptsache
wie früher die städtischen“ (S. 9 ff.)!)
1) Über den politischen Charakter der Stufentheorie Schmollers
s. Näheres Zeitschr. f. Sozialw. 1904, S. 372 f.; B. Harms, Volkswirtschaft
und Weltwirtschaft S. 41. Sombart, Archiv für soziale
Gesetzgebung 14, 383, meint, daß Schmoller weder Rodbertus noch
Marx und Engels „als Theoretiker gerade der Wirtschaftsstufen“ gekannt
habe. Sollte ihm Rodbertus wirklich unbekannt gewesen sein?
Doch das wollen wir dahingestellt sein lassen. Jrrig ist es aber jedenfalls,
wenn Sombart S. 384 behauptet, bei Schmoller sei „das Maß
ökonomischer Vergesellschaftung zum entscheidenden Merkmal für die
einzelnen Wirtschaftssstufen gemacht worden“. Über Sombarts Begriff
der ,„Vergesellschaftung“ s. S. 338, 387, 391. Man braucht nur
die bei Schmoller (Umrisse und Untersuchungen) S. 10 ff. angeführten
Beispiele zu vergleichen, um zu sehen, daß es ihm hauptsächlich darauf
ankommt, zu prüfen, ob Vertreter einer Stadt oder des Territoriums
in die wirtschaftlichen Verhältnisse eingreifen, und so den „Übergang
der sstädtischen zur Territorialpolitik“" (S. 23) zu schildern. Sein eigentümliches
Verdienst auf dem Gebiet der Wirtschaftsgeschichte liegt
ja auch in dieser Richtung. Nachdem Ranke und Droysen eine gründlichere
und günstigere Würdigung der allgemeinen Politik des preußischen
Staates gegeben hatten, hat er eine tiefere Erforschung und Rechtfertigung
der preußischen Verwaltung und Wirtschaftspolitik unternommen.
Er hat sich selbst über sein Verhältnis zu Ranke und Droysen
ausgesprochen. Vgl. Preußische Jahrbücher 25, 576 ff. S. auch Zeitschrift
für preußische Geschichte und Landeskunde 8 (1871), 521 ff.
Dalselbst S. 522 Anm. 1 eine Bemerkung über das Verdienst, das