mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 157
Stufenfolgen der wirtschaftlichen Entwicklung mit einigen
Änderungen wieder auf und begründet sie eingehend. Sein
Schema lautet nunmehr: Haus-, Stadt-, Volkswirtschaft. Die
Volkswirtschaft ist ihm erst das Produkt einer Jahrtausende
langen historischen Entwicklung, das nicht älter ist als der moderne
Staat!). Vor ihrer Entstehung hat die Menschheit große Zeit-
räume hindurch ohne Tauschverkehr oder unter Formen des
Austausches von Produkten und Leistungen gewirtschaftet,
die als volkswirtschaftliche nicht bezeichnet werden können. Die
drei Wirtschaftsstufen unterscheiden sich nach dem Verhältnis,
in welchem die Produktion der Güter zur Konsumtion derselben
steht, oder genauer: nach der Länge des Weges, welchen die
Güter vom Produzenten bis zum Konsumenten zurücklegen.
Auf der Stufe der geschlossenen Hauswirtschaft (der reinen
Eigenproduktion, der tauschlosen Wirtschaft) werden die Güter
in derselben Wirtschaft verbraucht, in der sie entstanden sind.
Auf der Stufe der Stadtwirtschaft (der Kundenproduktion oder
des direkten Tauschverkehrs) gehen die Güter aus der produ-
zierenden Wirtschaft unmittelbar in die konsumierende über.
Auf der Stufe der Volkswirtschaft (der Warenprodutktion, der
Vermittelung des Tauschverkehrs durch die distributiven Ge-
werbe) müssen die Güter in der Regel eine Reihe von Wirt-
schaften passieren, ehe sie zum Verbrauch gelangen.
Der zweite Vortrag setzt die Betriebsformen mit den drei
Virtschaftsperioden in Zusammenhang. Bücher unterscheidet
„in historischer Aufeinanderfolge“ fünf Hauptbetriebssysteme
des Gewerbes: 1. Hausfleiß?); 2. Lohnwerk; 3. Handwerk;
4. Verlagssystem (Hausindustrie); 5. Fabrik. Am ausführlich-
sten behandelt er die der Haus- und der Stadtwirtschaft ent-
sprechenden Formen. Jn dem sechsten Vortrag geht er auch auf
die Verhältnisse der Volkswirtschaft näher ein. In den übrigen
berücksichtigt er überwiegend die älteren Wirtschaftsperioden 3).
2) Entstehung der Volkswirtschaft, 1. Aufl. S. 14; 2. Aufl. S. 57.
2) In der 2. Auflage hat Bücher hierfür das Wort „Hauswerk“
eingesett (S. 132). Vgl. Sombart a. a. O. S. 318.
?) Vgl. Hasbach, Gött. Gel. Anz. 1894, S. 523 f.