158 JV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
In kkritischer Beziehung werden wir sogleich zu Büchers
Ausführungen Stellung zu nehmen haben. Hier wollen wir ihre
Vorzüge kurz zusammensasssen. Große Vorzüge sind zunächst
die Verbindung der nationalökonomischen mit der technologischen
Forschung?) und eine höchst ausgiebige Berücksichtigung
der Völkerkunde. Es handelt sich ja dabei nicht um etwas vollkommen
Neues: die ganze historische Schule der Nationalökonomie
hatte schon ihr Augenmerk auf die versschiedensten
Seiten und Arten des Völkerlebens gerichtet. Roschers
Gelehrsamkeit trägt von überall her Material zusammen. Aber
gegenüber seiner vasten Belesenheit. haben wir bei Bücher
scharfe Unterscheidungen und feinsinnige Verwertungen der
völkerkundlichen Tatsachen. Als einen weiteren großen Vorzug
seiner Darstellung nennen wir die überaus gründliche Erörterung
des Wesens der mittelalterlichen Stadtwirtschaft: seit
Hildebrand-Schönberg-Gierke hat kein Forscher so viel Originales
über sie gesagt?). Endlich ist die geschmackvolle Prägung klarer
N 1) Vgl. auch Büchers mehrfach aufgelegtes Buch „Arbeit und
thmus".
hut der Zwischenzeit hatte die Forschung sich bekanntlich sehr eifrig
mit der Geschichte des Städtewesens beschäftigt, aber vorzugsweise
mit der Entstehung des Städtewesens und des Zunftwesens, weniger
mit dem Begriff der Stadtwirtschaft. Freilich sind auch die Resultate
der Arbeiten über die Entstehung des Städte- und Zunftwessens,
wie wir noch sehen werden, für die Bestimmung der Natur der Stadtwirtschaft
von Bedeutung. Am meisten Material für eine Schilderung
der mittelalterlichen Stadtwirtschaft bringtvonden ältern Abhandlungen
über die Entstehung des Zunftwesens Stiedas Arbeit in den Jahrbüchern
für Nationalökonomie 27, 1 ff. Für sonstige Bücher, die in dieser
Hinsicht ergiebig sind, z. B. für Schäfers „Hansestädßte und König
Waldemar“, standen andere Zwecke im Vordergrund. Schmoller-Stiedas
„Straßburger Tucher- und Weberzunft“ ist hier ebenfalls
zu nennen. Im Vorwort S. KRI zählt Schmoller mehrere neue Resultate
dieser Darstellung auf. Was sie aber über die Entstehung der
Zünfte und den Zweck ihrer Begründung, ferner über die Verbreitung
der Gewandschneidergilden enthält, hat die Forschung als nicht haltbar
erwiesen. Vgl. meine Ausführungen in H. Z. 58, 205 ff. 225 ff.
und unten Nr. VI. Über die Natur der Stadtwirtschaft äußert
sich Schmoller in Übereinstimmung mit Hildebrand. (s. vorhin S. 149).