Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

202 UV. Über Theorien der wirtschasilichen Entwickluug der Völker, 
alterlichen Städten!) übliche Verkehrstontrolle ohne weiteres 
auf die Periode der Hauswirtschaft zurückzuführen und den 
Formalismus des deutschen Rechts aus wirtschaftlichen Ursachen 
zu erklären. Die Behauptung S. 100: „Der Hausfleißarbeiter 
des Fronhofs ist zum Lohnhandwerker geworden und erlangt 
mit der Zeit zum eignen Werkzeug auch eigne Betriebsmittel" 
wird schon widerlegt durch die vorhin hervorgehobene Tatsache, 
daß die ländliche Bevölkerung sehr häufig bereits auf primitiver 
Kulturstufe gewerbliche Artikel aus Material, das Jie sich selbst 
beschafft, herstellt. S. 148 erklärt Bücher das Eingreifen der 
Zünfte gegen die Störarbeit (die eine Form des Lohnwertks) 
daraus, daß sie „zu sehr an die alte Hörigkeit erinnerte“, und 
leitet den Haß der städtischen gegen die ländlichen Handwerker 
aus dem Umstand her, daß ,diesen sich das Arbeiten auf der 
Stör nicht wohl verbieten ließ“. Es sind dies wieder amüsante 
Beispiele für den Einfluß, den Büchers Entwicklungstheorie auf 
alle seine einzelnen Erklärungen ausübt. Die Stör hat an sich 
mit der Hörigkeit gar nichts zu tun, und die Ursachen des Hasses 
der städtischen gegen die Landhandwerker sind viel unmittel- 
barerer Natur. 
B. Die Natur der Stadtwirtjschaft?). 
unter allen historischen Problemen hat Bücher die ein- 
gehendste Aufmerktsamkeit zweifellos der Bestimmung des Wesens 
der mittelalterlichen Stadtwirtschaft gewidmet. Es ist ihm ge- 
lungen, auch nach dem Trefflichen, was Bruno Hildebrand und 
andere über sie gesagt haben, noch manchen hübschen Satz in 
1) Auf dem Lande war davon bekanntlich weit weniger vorhanden. 
2) Vgl. hierzu, zugleich zur Kritik der Auffassung Büchers: Roscher 
Pöhlmann, Grundlagen der Nationalökonomie, 24. Aufl. S. 161 ff.; 
Keutgen, V.j.schr. f. Soz.- u. W. G. 1906, S. 284 ff.; J. G. van Dillen, 
Het economisch karakter der middeleeuwschen stad, Bd.1 (dazu H. Z. 
116, S. 500 ff.). Eine Schilderung der mittelalterlichen Stadtwirt- 
ichaft unter dem besondern Gesichtzpunkt der Lebensmittelversorgung 
für die Bürgerschaft habe ich in m. Schrift „Mittelalterl. Stodtwirt- 
schaft und gegenwärtige Kriegswirtschaft“" (1917) gegeben.
	        
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