3Z24 VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalter.
Brudersschaft auf dem Waidmarkt, d. h. die Zunft der Waid-
händler’), die seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts be-
gegnet, die auch spät begegnende Fischhändlerzunft, die Bru-
derschaft der Gewandschneider unter den Gaddemen und die
Weinbruderschaft. Die leßtere führt Jnama S. 76 Anm. |
als Vertreterin des „Großhandels“ auf. Tatsächlich verlieh die
Mitgliedschaft in ihr das Recht zum Weinausschank, zum „Wein-
zapf“. ~ Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts finden
wir in Köln noch die sogenannten Gaffeln, die später, im Grunde
mißbräuchlich, Ritterzünfte benannt wurden. Sie dienten ur-
sprünglich wohl nur geselligen Zwecken, nachher (insbesondere
seit 1396) auch oder vielmehr in erster Linie politischen. GewerbV
liche Korporationen sind sie nie gewesen. Sie leiteten ihren
Namen nicht von einem Gewerbe, sondern von dem Hause,
in dem ie ihre Versammlungen hielten, ab. Allerdings saßen in
ihnen viele Kaufleute, namentlich, wie es scheint, in der Gaf-
fel „Windeck“. Allein nichts berechtigt uns zu der Annahme,
daß sie oder einige von ihnen ausschließliche Vereinigungen
von Großhändlern gewesen seien. Zu den Kaufleuten, die
die Mitgliedschaft in ihnen erlangten, gehörten vermutlich ge-
rade auch die Krämer, für die in Köln keine gewerbliche Zunfst
begründet war.
In Bremen sind die Kaufmannszünfte die der Gewand-
schneider und der Krämer?). In Goslar beruht die kraternitas
streitig. Über die Weinbruderschaft s. ferner Knipping, Die Kölner
Stadtrechnungen des Mittelalters, Bd. 1, S. LXX. über die Gaffeln
s. außer Lau, S. 215 ff. Hegel, Chroniken der deutschen Städte,
Bd. 14, S. CLI] ff. und Höhlbaum, Mitteilungen aus dem Stadt-
archiv von Köln, Heft 7, S. 108 ff. (über die Zunft Eisenmarkt) und
Heft 11, S. 68 ff. (über die Gaffel zur Windeck > die Gesellschaft
der Kaufleute am Altenmarkt). Über die im Beginn der sstädtischen
Entwicklung Kölns begegnende Kaufmannsgilde s. Ztschr. f. Soz.w.
1905, S. 197; V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1909, S. 427.
1) über eine Waidhändlerzunft in der Stadt Jülich s. meine Mit-
teilungen im Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins, Bd. 10,
S. 186 ff. Jm Jülichschen haben wir ein Hauptgebiet des Waidbaus.
2) Hegel, Bd. 2, S. 471 f. W. v. Bippen hat in seiner Geschichte