Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

208 dW . Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
wird immer geneigt gewessen sein, wieder und wieder frisches 
Fleisch und einen Leckerbissen von ihm zu entnehmen. So war 
es mit dem Fleischverbrauch. Und nun denke man weiter an 
den Bedarf an Tuchen und Spezereien. Wir besitßen ja die 
Handlungsbücher städtischer Tuchkleinhändler aus dem Mittel- 
alter: sie zeigen, daß Reich und Arm Tuche „nach der Elle“ 
von ihnen kauften!). 
Bei den Tuchkleinhändlern, den Gewandschneidern, wird 
Bücher übrigens durch seine These wiederum zu einem bezeich- 
nenden Irrtum verführt. Nach ihm (S. 98) waren sie „in der 
ersten Hälfte der Stadtwirtschastsperiode die angesehensten 
Kleinhändler, da es in vielen Städten keine einheimische Woll- 
weberei gab“. Nein, daran lag es nicht: in Köln, wo nachweis- 
lich seit dem 12. Jahrhundert die einheimische Wollweberei sehr 
bedeutend war, standen die Gewandschneider im größten An- 
sehen: ihr gewinnbringendes Monopol war aber gerade der 
Detailverkauf von fre mden Tuchen?). 
Der Handel mit solchen spielte eben eine weit größere Rolle, 
als Büchers Doktrin zugeben will. Unmittelbar darauf führt 
er uns wieder ein Kunststück der Entwicklungsiheorie vor: mit 
dem Heranwachsen einer einheimischen Wollweberei sei die 
Tätigkeit der Gewandschneider auf den Vertrieb der feineren 
niederländischen Tuche beschränkt worden?). Warum muß doch 
alles unter den Gesichtspunkt der Entwicklung gebracht werden? 
Die einzige Änderung, die wir in Köln wahrnehmen, besteht 
darin, daß die Gewandschneider zu dem Detailverkauf der fremden 
Tuche im 14. Jahrhundert auf kurze Zeit noch den der einheimi- 
schen hinzu erwerbent). 
1) S. unten Nr. VI. Über die Unterschätung des Kleinhandels 
für das innere .Leben der Stadt bei Bücher |. auch V..j. schr. f. 
Soz. u. WG. 13, S. 254. 
2) Lau S. 222. In Krems haben die Gewandschneider (Hand- 
schneider) das Vorrecht des Kleinverkaufs hinsichtlich aller Tücher, 
auch der fremden (panni lombardieci). Rauch, Scriptores rerum 
Austriacarum 3, 362. 
3) Bücher fügt noch hinzu: der Seiden- und Baumuvwoollstoffe. 
Warst. die Geweudtthnciter dafür Spezialisten? 
) Lau a. a. O.
	        
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