Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 211 
Als Gegenstände des Großhandels weiß Bücher (S. 99) 
„nur fünf“ zu nennen: 1. Gewürze und Südfrüchte, 2. getrock- 
nete und gesalzene Fische, 3. Pelze, 4. feine Tücher, 5. für die 
norddeutschen Städte: Wein. „Jn einzelnen Teilen Deutsch- 
lands dürfte auch das Salz hierher zu rechnen sein.“ Zu dieser 
Liste wäre zunächst zu bemerken, daß statt „feiner Tücher“ zum 
mindesten „bessere Tücher“ gesetzt werden müßte, damit deutlich 
wird, daß es sich nicht bloß um einige wenige feine Sorten han- 
delt. Es sind indessen auch gröbere!) Tuche exportiert worden. 
Wir nehmen an, daß Bücher bei Nr. 4 den bedeutenden Umsatz 
von Seiden- und Barchentstoffen mit im Auge hat. Der Wein 
aber ist nicht nur in Norddeutschland großer Handelsartikel: 
trinkt man denn in Süddeutschland bloß Landwein? Das Salz 
hat gleichfalls mehr oder weniger überall + jedenfalls nicht bloß 
„in einzelnen Teilen“ Deutschlands –~ die Bedeutung eines 
Großhandelsartikels?). Auf Büchers Liste sind jedoch noch vieles) 
Rubriken hinzuzufügen. Der weite Weg kommt für erheblich 
mehr Waren in Betracht, als Bücher annimmt). Erinnern wir 
1) Schäfer, Hansestädte S. 192. Al. Schulte, Handel mit Italien 1, 
S. 112 und 119. Jahrbuch für Gesetzgebung 1919, S. 819. 
?) Über den Salzhandel zur Zeit der Raffelsstetter Zollordnung 
{Keutgen S. 41 ff.) und den Umfang des Verkehrs überhaupt, wie 
er sich aus diesem Denkmal erschließen läßt, vgl. Heyd, Geschichte des 
Levantehandels 1, 95 f.; Z. f. Soz.- u. W. G. 5, 153 Anm. 81; Luschin 
v. Ebengreuth in der vom Altertumsverein zu Wien herausgegebenen, 
von H. Zimmermann redigierten Geschichte der Stadt Wien 1, 405. 
In jener Zeit bildete wohl Salz den wichtigsten Gegenstand der Aus- 
fuhr aus Bayern. Riezler, Zur ältesten Gesch. Münchens S. 291, 
301, 304. Über den Salzhandel der späteren Zeit vgl. z. B. Konrad 
Wutke, Die Versorgung Schlesiens mit Salz während der Mittelalters, 
Zeitschr. f. Geschichte Schlesiens 27, 238 ff.; Knipping, Kölner Stadt- 
rechnungen 1, LVI. Die Schweiz, ohne eigenes Salz, bezog es teils aus 
her Frantr-Crints teils aus Bayern und Österreich. H. Z. 111, 
s) Sahm, Geschichte v. Kreuzburg S. 204 (Mühlsteine aus Pirna 
kommen nach Ostpreußen). Schulte I, S. 606. In Perpignan ein. 
Kaufmann aus Fraustadt in Posen (ebenda S. 545). UB. von Hameln 
II, S. XVII (Mühlsteine Gegenstand des Fernhandels). 
*) Vgl. W. Stein, Art. Handel in Hoops’ Reallexikon; Hansische 
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