Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 21 7 
während von anderer Seite (Dietrich Schäfer!) behauptet wird, 
daß selbst aus dem östlichen Deutschland kein ganz unbedeutender 
Export von Jndustrieartikeln stattgefunden hat. Der Streit 
dürfte übrigens überwiegend in letterem Sinne zu entscheiden 
sein?), wodurch wir dann ein weiteres Argument gegen Bücher 
erhielten. Teilweise handelt es sich bei diesen Dingen um Er- 
scheinungen, die zu einer neuen Zeit hinüberführen; aber vieles 
reicht doch in das echte Mittelalter hinein. 
Die vorstehenden Notizen?) zeigen, daß das von Bücher 
1) Jahrbücher f. Nationalökonomie 41, 95 f. 
2) Stieda, Literatur, heutige Zustände und Entstehung der deut- 
schen Hausindustrie, Schriften des Vereins für Sozialpolitik 39, 
115 f. Über den juristischen Charakter des von ihm erwähnten Kon- 
trakts, den im Jahre 1424 vier Kaufleute in Lübeck mit der Zunft 
der Bernsteindreher schließen, s. Max Weber, Zeitschr. f. d. gesamte 
Handelsrecht 37, 270. 
3) Einige Nachrichten mögen hier noch, um das Verhältnis an- 
schaulicher zu machen, zusammengestellt werden. Nach der Urkunde 
von 1192 über die Rechte der Regensburger in Österreich (Keutgen 
S. 52 ff.) wurden eingeführt: Tücher, Häute, Wachs, Kupfer, Zinn, 
Glockenspeise, Kramgewand und gesalzene Fische (allecia). Vgl. 
Schuster bei Zimmermann, Geschichte der Stadt Wien 1, 346. Uhlirz 
a. a. O. 16, 17 Nr. 12 724 (vom Jahre 1360): „Der Stadtrat von Wien 
bestimmt einen Marktplatz für den Verkauf von Glas, das von Venedig 
tommt, ,oder von wan man es herpringet‘. Zugleich wird für den 
Wachsverkauf ein Marktplat bestimmt.“ 1428 werden einigen Nürn- 
berger Kaufleuten, als sie mit ihren Gütern, die sie zu Dordrecht in 
Schiffe geladen hatten, nach Pergen (Bergen) fahren wollten, Waren 
(Kupferdraht, Messing usw.) von den Helfern der Stadt Utrecht ab- 
genommen. 38. Jahresbericht des Historischen Vereins von Mittel- 
franken (1871~72) S. 110. Von Interesse ist es, in diesem Zusammen- 
hange auch die weiten Handelsfahrten der deutschen Kaufleute des 
Mittelalters sich zu vergegenwärtigen. Zwar liefert ja die Tatsache 
weiter Handelsfahrten an sich noch nicht unbedingt den Beweis, daß 
der interlokale Austausch bedeutend ist; die große Verbreitung des 
Proprehandels im Mittelalter hatte bekanntlich besondere Ursachen. 
Allein, mit Vorsicht benutzt, sind doch auch die Nachrichten über weite 
Handelsreisen und noch mehr die über andersartige weite Handels- 
beziehungen für unsern Zweck lehrreich. Über den Sinn des Wortes 
Rucia im Medebach.r Privileg von 1165 (Keutgen S. 146) s. Höhlbaum, 
Hansisches Urkundenbuch 1, 10 Nr. 17. Bächtold S. 280. Über den
	        
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