Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

218 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
gezeichnete Bild!)’ einer erheblichen Ergänzung bedarf; einen 
vollständigen Überblick über die Waren des über den lokalen 
Umsatz hinausgehenden Handelsvertehrs zu geben kann hier 
natürlich nicht meine Absicht sein. Jch will nur noch darauf 
hinweisen, daß das Büchersche Prinzip der „Länge des Weges" 
auch rein. äußerlich genommen nicht immer die Probe besteht. 
Verkehr Kölns im 12. Jahrhundert mit Österreich und Augsburg s. 
Keutgen S. 54 u. 91, im 13. und den folgenden Jahrhunderten mit 
Thorn s. Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln Heft's, S. 40 f., 
mit Dänemart, Breslau, Brünn ebenda Heft 10, S. 92 f. (vgl. auch 
Heft 12, S. 90 ff.), mit Schlesien Hansisches Urkundenbuch 3, 283 
Anm. 5. Tuckermann, Kulturelle Beziehungen Cölns und des 
Niederrheins zum europäischen Osten, Jahrbuch des kölnischen Ge- 
schichtsvereins 1912. Luschin v. Ebengreuth bei Zimmermann, Ge- 
schichte der Stadt Wien 1, 413. Bezeichnend sind auch die Listen 
der Orte, an denen eine Stadt Zollfreiheit genießt. Vgl. Roth, Ge- 
schichte des Nürnbergischen Handels 4, 4 ff. (Liste von 1350). Hans. 
Urkundenbuch, 3, 585. Im 13. Jahrhundert rechnete die herzogl. 
österreichische Finanzverwaltung bei den Münzprägungen mit der 
Tatsache, daß durch den Handel mit Ungarn viel Geld dahin kam; 
man prägte deshalb über den Landesbedarf hinaus. Luschin a. a. O. 
S. 440. Eine Erscheinung wie diese läßt sich doch nicht einfach unter 
die Kategorie der Stadtwirtschaft einreihen. Endlich erwähne ich als 
Zeichen lebhaft entwickelten Handelsverkehrs, daß um die Mitte des 
13. Jahrhunderts schriftliche Ursprungsatteste für die Waren Kölner 
Bürger zum Behuf ihrer Befreiung vom Zoll an auswärtiger Zoll- 
stätte üblich sind. Keutgen S. 164 §7. 
1) Scheinbar erhält Büchers Darstellung eine Bestätigung durch 
Geerings Schilderung des Kölnischen Verkehrs im Ausgang des 
15. Jahrhunderts (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 11, 
63): „Eingeführt werden nur Nahrungsmittel und Rohstoffe, die 
in der Stadt nicht gedeihen, dagegen so gut wie keine Fabrikate. Der 
Bedarf an diesen wird aus jenen Rohstoffen durch die eigene vielseilig 
und hoch entwickelte handwerkliche und industrielle Produktion der 
Stadt gedeckt. Einzige Ausnahme bildet flandrisches und englisches 
Tuch, wogegen italienische Seidenwaren bereits durch die eigene Kölner 
Produktion mehr und mehr bei Seite geschoben werden." In Wahr- 
heit aber liefert das Beispiel Kölns gerade eine Widerlegung der 
Theorie Büchers, indem es uns zeigt, wie von einer Stadt aus sehr 
viele Orte mit den mannigfaltigsten Produkten (einer blühenden Gold- 
schmiedekunst, der Seiden-, Leinen-, Wollspinnerei, -färberei und 
.„weberei, der Eisen- und Kupferverarbeitung usw.) versorgt werden.
	        
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