Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

264 V. Die Motive der Zunftbildung im deutschen Mittelalter. 
gänzen sich. Wie sehr der Einfluß von auswärts sich in der Hei- 
mat geltend machte, lehren uns die archäologischen Funde, 
deren Ergebnisse die dürftigen schriftlichen Nachrichten der Zeit 
in wünschenswerter Weise vervollständigen!). Sie beweisen 
1) Sophus Müller, Urgeschichte Europas, Deutsche Ausgabe 
von O. L. Jiriczek (1905), S. 168 spricht über den Einfluß, den die 
aus Italien eingeführten Bronzegefäße auf die Töpferei in Deutsch- 
land und Skandinavien gewannen. ,„Bronzegefäße herzustellen war 
man nicht im Stande; aber in Ton ließen sich die großen Schüsseln 
und Kannen nachahmen und die Schalen mit Griffen ausstatten, 
die genau den römischen Vorbildern entsprechen. Wie wenig diese 
deutschen und skandinavischen Gebiete aus sich selbst vermochten 
und wie viel die Einflüsse aus der Fremde zu sagen hatten, beweist 
der Umstand, daß zu keiner Periode der Vorzeit, weder früher noch 
später, so gute Tongefäße hergestellt worden sind wie in dem Zeit- 
raum, als man unter der Einwirkung des noch gesunden und edlen 
römischen Kunsstgewerbes stand." S. 171: über die Völkerwande- 
rungszeit: „Mag auch vieles ursprünglich Kriegsbeute gewesen Fein, 
gleichzeitig erfolgte auch eine regelmäßige Zufuhr von Waren aus 
den römischen Fabriken durch den Handel. Die ausgezeichneten damas- 
zierten Schwerrklingen sind meist aus Gallien eingeführt, wie die 
eingestempelten Fabrikantennamen beweisen; die Beschläge von 
Silber oder Bronze dagegen sind in der Regel von heimischer Arbeit, 
zierlich, fein und dünn. Allgemein verbreitet waren römische Bronze- 
gefäße, die aber gleich dem übrigen Import nicht mehr von Italien 
selbst ausgingen. Am Rhein und in Frantereich hatte sich eine römische 
Provinzialindustrie entwickelt, von der Norddeutschland und Skan- 
dinavien das meiste bezogen." In seiner ,,Nordischen Altertums- 
kunde“ (Deutsch von Jiriczet), Bd. 1 (1897), S. 448 f. wirft Sophus 
Müller die Frage auf, seit wann ein eigentliches Handwerk nachweis- 
bar sei (schon am Schluß der Steinzeit?). Störend wirkt es bei Mül- 
lers Darstellung, daß er noch unter dem Bann der alten hofrechtlichen 
Theorie steht. Irgend eine Stüte für sie liefert er nicht, wie ja auch 
aus den Funden sich gar nichts über den Stand der Handwerker fol- 
gern läßt. Vgl. noch Bd. 2, S. 285 und 286 über ,den nordischen 
Handwerker“. Über die Eisenschmiedekunst als selbständiges Gewerbe 
der alten Zeit (Beispiele aus Island) s. H. Leo, Hist. Taschenbuch 
Bd. 6, S. 520 f. (S. 521 schildert Leo für Jsland als selbständige 
Gewerbe neben dem Landbau die Eisenschmiedekunst und die Meer- 
schifferei für den Handel). Über Beziehungen von Skandinavien 
zu Westeuropa im Eisengewerbe vor der Wikingerzeit s. W. Vogel, 
Die Normannen und das fränkische Reich (1906), S. 45 Anm. 1
	        
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