Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

V. Die Motive der Zunftbildung im deutschen Mittelalter. 265 
erstens, daß die Produttion beträchtlich war, so die an Ton- 
gefäßen und Waffen; zweitens, daß sie berufsmäßig ausgeübt 
wurdez; drittens zeigen sie die Beeinflussung durch das fremde 
Vorbild. Die erhaltenen Waren sind an Quantität und Qualität 
zu erheblich, als daß man eine andere Art der Herstellung als 
die berufsmäßige annehmen darf. Über den Stand der Personen, 
die die Waren hergestellt haben, geben uns die Funde natür- 
lich keine Auskunft. Wenn wir aber die sonstigen Anhaltspunkte 
hinzunehmen, wenn wir insbesondere uns gegenwärtig halten, 
daß uns nur ausnahmsweise von den alten Grundherrschaften 
eine starke gewerbliche Produktion für den Markt bekannt ist!), 
so werden wir die Herstellung jener Waren überwiegend einem 
selbständigen Handwerk zuzuweisen haben. Was den Standort 
dieser Gewerbe betrifft, so werden wir ihn einmal in den alten 
Römerstädten suchen, sodann auf dem Land, wo etwa besondere 
Bedingungen den gewerblichen Betrieb nahe legten. Städte 
im Verfassungssinn waren ja die alten Römerstädte nicht mehr;: 
aber die Bevölkerung wohnte dichter beieinander und barg 
stärkere gewerbliche Elemente in sich. Diese Plätze sind es ja 
auch, in der Mehrzahl der Fälle, die im Laus der Zeit sich zuerst 
zu wahren Stätten der gewerblichen Arbeit entwickeln. Eben 
in der gewerblichen Bevölkerung der alten Römerpläte werden 
wir zum größern Teil die Kreise zu sehen haben, die die antiken 
Traditionen bewahrten und fortbildeten?). Ihre Träger nur 
Anm. 2: die bessern der in Skandinavien gebrauchten Schwerter 
aus dem Frankenreich eingeführt. Als Übergangsland für die Aus- 
bildung eines deutschen Gewerbes ist Gallien wichtig; vgl. Kiener, 
Verfassungsgesch. der Provence S. 89 ff. (Gewerbetreibende mit 
freiem Grundeigentum narhgewiessen). Über die Fortdauer römischer 
Gewerbetätigkeit auf dem Land wie in den Städten s. Dopsch, Wirt- 
schaftliche und soziale Grundlagen der europäischen Kulturentwick- 
lung Bd. ], S. 139 ff. 
1) Dopsch, Karolingerzeit II, S. 163 f. 
?) S. vorhin die Bemerkung von S. Müller über die römische 
Provinzialindustrie am Rhein und in Frankreich. Natürlich kann auch 
eine ländliche Industrie antike Muster verwerten, wie dies vielleicht 
bei der Töpferei der Fall gewesen sein wird.
	        
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