Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

266 HV. Die Motive der Zunftbildung im deutschen Mittelalter. 
in den Grundherrschaften, den Klöstern, die ihre unfreien Hand- 
werker entsprechend unterrichteten, – deren Bedeutung hier- 
für wir im übrigen nicht bestreiten ~ vorauszusetzen liegt kein 
Anlaß vor. Weiter hindert auch nichts anzunehmen, daß da, wo 
(unabhängig von der Grundherrschaft) sich ein Gewerbe als 
landwirtschaftliche Nebenbeschäftigung ausbildete, dieses die 
für die Technik durch die alten Römervlätze gegebenen An- 
regungen verwertete. 
Im einzelnen läßt sich darüber streiten, in welchem Maß 
das deutsche Gewerbe sich im Rahmen der alten Römerplätze, 
in . welchem Maß unabhängig von ihnen entwickelt hat. Bei 
den einzelnen Gewerben wird auch ein verschiedenes Verhält- 
nis obwalten. Verweilen wir etwas bei dem Wollgewerbe, 
das bis zum 14. Jahrhundert im Vordergrund aller mittelalter- 
lichen Gewerbe steht. Es ist anzunehmen, daß an den alten 
Römerplätzen wie Köln und Mainz Reste berufsmäßigen Ge- 
werbebetricbs von der Römerzeit her ohne Unterbrechung er- 
halten geblieben sind; hier tauchen auch später zuerst innerhalb 
des deutschen Reichs Weberzünfte auf. Aber die Herstellung 
von Wollstoffen war ein jo überall hervortretendes Bedürfnis, 
daß schon aus allgemeinen Erwägungen, die übrigens durch 
quellenmäßige Belege bestätigt werden, sich der Schluß auf 
eine bedeutende bäuerliche Tucherzeugung ergibt. Und es 
steht ferner fest, daß die Stoffherstellung Einflüsse ausländischer 
Technik besonders in den alten Zeiten nur ganz spärlich erfahren 
hat!). Wenn diese Tatsache nicht ausschließt, daß deutsche Woll- 
stoffe in deutscher Art in den alten Römerplätzen hergestellt 
wurden, so können die letttern für jene doch nicht in dem Maß 
Mittelpunkte der Fabrikation gewesen sein wie bei andern Waren. 
Unsere Schlußfolgerung erfährt einen Beleg durch den Umstand, 
daß die berühmteste Wolltuchindustrie, die flandrische, auf 
ländlichem Boden erwächst. Ihre Heimat ist das Gebiet der 
Moriner, Atrebaten und Mengapier, das keine oder keine nam- 
!) M. Heyne, Hausaltertümer Bd. 3 (Körperpflege und Kleidung), 
S. 216.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.