Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

Z14 VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelalter. 
absaß als etwas Unerhebliches erscheinen mußte. Es wird für 
uns zunächst darauf ankommen festzustellen, inwieweit sich der- 
artige Erscheinungen bis ins Mittelalter verfolgen lassen. 
Handelsgesellschaften sind an sich dem Mittelalter durchaus 
nicht fremd, vielmehr etwas außerordentlich verbreitetes. Die 
Frage würde sein, ob schon vor dem 16. Jahrhundert die Unter- 
nehmungen von Handelsgesellschaften einen nach der Meinung 
des Publikums bedrohlichen Umfang angenommen haben. 
Die Erörterung dieses Punktes wird zugleich zur Klärung einer 
anderen Streitfrage beitragen. In der wahrscheinlich von einem 
Augsburger Pfarrgeistlichen verfaßten pseudonymen Schrift 
„Reformation Kaiser Sigmunds“ wird bereits über Preis- 
steigerungen durch Handelsgesellschaften geklagt. Man hat die 
Entstehung des Buches in das Jahr 1438 geseßt. Gegen diese 
Datierung wendet sich Frensdorff!) mit der Bemerkung, die 
Klagen über die großen Gefellschaften, die jene Schrift erhebt, 
würden doch erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts laut. Er 
hat insofern recht, als die Kommentatoren der „Reformation 
Kaiser Sigmunds" Beispiele solcher Beschwerden aus älterer 
Zeit früher nicht angeführt hatten. Tatsächlich aber lassen sie 
sich doch recht weit zurück verfolgen. 
Die sog. Reformation Kaiser Sigmund's sagt (Ausg. v. Böhm, 
S. 220): „Item es sind grosse geselschaften aufgestanden. die 
zusamen spanent und treibent groß kaufmanschatz; es ge 
in wol oder übel, sy schybent es ye darnach, das sy nit ver- 
liern.“ Der Gegenstand des Handels dieser Gesellschaften 
wird hier nicht genannt. Aber vorher (S. 219) ist bemerkt, 
daß die „kaufherren“ für die aus „Venedig oder anders woher" 
kommenden Waren, namentlich Sammet, Seide, Gewürz, zu 
hohe Preise nehmen. 
Daß solche Klagen am Ende des 15. Jahrhunderts schon 
in lebhafter Weise erhoben werden, ist versschiedentlich festgestellt 
!) Ztschr. der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, German. 
Abteilung, Bd. 20, S. 134 Anm. 2; dazu Köhne, Neues Archiv f. 
ältere deutsche Geschichtskunde 27, S. 257 ff.
	        
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