Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

4::') VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
nische Schulung, durch den Anreiz, der in reichlichem Kapital
liegt, durch die Arbeiterverhältnisse') kann jene Neigung angeregt
und gesteigert werden; sie kann aber gewiß auch in einer Person
mehr oder weniger ursprünglich liegen. Der kalkulatorische Geist,
der durch die Größe des Betriebs gefordert wird, kann ebenso
ursprünglich vorhanden wie anerzogen und gesteigert sein. Die
hiermit angedeuteten Umstände in ihrer Gesamtheit würden die
Wirtschaftsgesinnung darstellen, die man den kapitalistischen Geist
nennen darf. Die von uns gemachten Beobachtungen zeigen schon,
daß der kapitalisstische Geist nicht mit einer Theorie gleichgesett
werden kann, etwa mit der Theorie von der Erlaubtheit des
Darlehenszinses, wie ja auch Zunftgeist und kanonisstische Zinstheorie
 nicht das Gleiche sind. Unsere obige Darlegung schließt
es ferner aus, den kapitalistischen Geist als eine Erscheinung zu
fassen, die bei allen Völkern einmal in derselben Gestalt auftritt;
 wir haben ja auch bei der kanonistischen Theorie und dem
Zunftgeist beobachtet, daß sie zeitlich und örtlich bestimmt sind.
Der kapitalistische Geist kann schon darum nicht überall der gleiche
sein, weil der Kapitalismus selbst nicht überall in der gleichen
Art zich darstellt. Aus den erörterten Gesichtspunkten wird es
ebenso nicht möglich sein, den kapitalistischen Geist als eine einheitliche
 Zeitströmung zu deuten, da kaum irgendwann und
irgendwo eine Einheitlichkeit der Zeitströmung sich beobachten
läßt. Verschiedene Systeme der Beurteilung gehen neben einander
 her; auch insofern, als noch frühere Systeme sich behaupten,
 ist es unzuläsiüg, einen zu scharfen Schnitt zwischen der alten
und der neuen Zeit zu machen. Die Gemeinschaft beider prägt
sich ferner darin aus, daß hier wie dort die Freude am eignen
Werk eine Rolle spielt, daß ebenso beim mittelalterlichen Handwerker
 wie beim kapitalistischen Unternehmer die Freude über
die volle Exaktheit der Leistung den Eifer der Arbeit beflügelt.
Das Mittelalter sprach durch Theorie und Gesetgebung die Anschauung
 aus, daß das Handwerk als Amt im allgemeinen Inter-1)
 über den wechselnden Vorrat an Sklaven und die wechselnde
Kostspieligkeit der Sklavenarbeit im Altertum vgl. Sigwart a. a. O.

Zi
            
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