VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 441
tretern der Wissenschaft künstlerische Darstellung verlangt, so
wiederholt er damit ja nur, was Ranke gesagt hat, und Ranke
hat das geleistet, was sein Programm forderte. „Einheitliche
Erklärung aus lettten Ursachen“ und Abstraktion von dem Tat-
sächlichen sind durchaus nicht unentbehrliche Voraussetzungen
für die Geschlossenheit der Darstellung und die Sauberkeit der
begrifflichen Formulierung. Windelband!) sagt einmal von
Lessing: „Es ist in ihm etwas von dem Wolffschen Bedürfnis
nach Klarheit und Deutlichkeit der Begriffe, aber er befriedigt
es nicht durch allgemeine Abstraktionen, sondern durch die rein-
liche Scheidung des Gegebenen.“ Das ist es, was dem Bedürf-
nis der historischen Wisssenschaften, insbesondere auch der Wirt
schaftsgeschichte, entspricht.
Wenn wir die erwähnten Grundsätze Sombarts teilen und
jene Vorzüge seiner Darsstellung dankbar verzeichnen, so schließt
das freilich unsern Widerspruch gegen eine Reihe seiner Formu-
lierungen nicht aus. Mit ihnen bleibt er mehrfach hinter der
Trefflichkeit seiner Grundsätze zurück.
Begleiten wir nun Sombart auf dem Gang seiner Beweis-
führung und knüpfen wir an seine Aufste Ilungen die Darlegung
dessen, was sich uns aus der Betrachtung der historischen Tat-
sachen ergibt.
Ich bin als erster der Darstellung Sombarts in einem Vor-
trag über „Die Entstehung des Kapitalismus?) auf dem Heidel-
berger Historikertag entgegengetreten. Ausführlicher habe ich
meine Kritik wie meine Anschauung von dem wahren Hergang
der Dinge in einer Abhandlung mit gleichem Titel in der Histo-
rischen Zeitschrifts) dargelegt. Mit fast durchgehender Zustimmung
zu meinen Aufstellungen sind dann zahlreiche kürzere und längere
1) Geschichte der neueren Philosophie, 2. Aufl., I, 538.
2) Kurze Berichte über die Verhandlungen des Heidelberger
Historikertags s. H. Z. 91, S. 191; Hist. V.j.schr. 1903, S. 301 ff.;
Verhandlungen des Heidelberger Historikertags v. 1903, S. 11 ff.
3) Bd. 91, S. 433 ff. Ich gebe im folgenden eine Vervollständigung
dieses Aufsatzes. Kurz hatte ich vorher über meinen Heidelberger
Vortrag in der Wiener „Zeit". berichtet.