440 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
ziehung + ein ernstes Streben nach Reinlichkeit. Er verlangt
eine „ästhetische Nationalökonomie“. Soweit in diesem Wort nur
das ausgedrückt sein würde, was ich soeben auseinandergesett
habe, wollen wir mit Sehnsucht das Zeitalter der ,ästhetischen
Nationalökonomie“ herbeiwünschen. Freilich bringt Sombart
seine Forderung mit bestimmten andern Dingen in einen, um es
sogleich zu sagen, keineswegs notwendigen Zusammenhang. So
soll nach ihm (S. XRR) die ästhetische Nationalökonomie die
„ethische“ ablösen. Beide werden aber sehr gut miteinander
vereinbar sein, wenn nur die Vertreter der ,„ethischen“ mit allen
durch das Ethos auferlegten Pflichten ~ auch betreffs der Dar-
stellung + ernst machen. Sombart glaubt ferner in bezug auf
die Art seines Buches eine Gemeinsamkeit mit Karl Marx kon-
statieren zu müssen (S. XRIX). Als gemeinsam mit ihm be-
zeichnet er: „das Konstruktive in der Anordnung des Stoffs,
das radikale Postulat einheitlicher Erklärung aus den letten Ur-
sachen, der Aufbau aller historischen Erscheinungen zu einem so-
zialen System“. Wir haben schon gesehen, daß wir und weshalb
wir nicht alles dieses aufnehmen können. Es ist aber auch gar
nicht einzusehen, weshalb die Vorzüge der Darstellung Sombarts
irgendeinennotwendigen Zusammenhang mit Marx haben ollen;
umso weniger, als Klarheit der Darstellung und Sauberkeit der
begrifflichen Formulierung den ewig schillernden Auslassungen
von Marx nicht nachgerühmt werden können. Jene Vorzüge sind
älter als. Marx. Man findet sie z. B. in den klassischen Darstel-
lungen Savignys, in F.Ch.Baurs kirchengeschichtlichen Arbeiten!),
bei K. F. Eichhorn, Mommsen, Ranke (nur daß dieser nicht ge-
rade wirtschaftsgeschichtliche Probleme behandelt), Brunner,
unter den ältern Nationalökonomen am meisten bei Hildebrand,
unter den jüngern erfreulicherweise an verschiedenen Stellen;
soweit historische Arbeiten in betracht kommen, am hervorragend-
sten bei Knapp und Bücher. Wenn Sombart auch von den Ver-
1) Die Geschlossenheit der Darstellung geht hier zwar teilweise
auf Hegelsche Konstruktion zurück, ist aber auch mit echt historischer
Art verbunden.