460 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
gerade Schönbergs Buch Sohm!) zu seiner Schilderung des in
den mittelalterlichen Städten herrschenden wohlhabenden Mittelstandes
veranlaßt hat. Und wie in dieser Hinsicht Sombarts
Schilderung fehlgreift, so sind nicht weniger seine Urteile über
die Technik des alten Handwerks kraß und haltlos. Namhafte
technische Fortschritte fehlen dem Mittelalter nicht. Wenn heute
der Kapitalismus das nicht kapitalistische Kunsthandwerk zurückdrängt,
weil er mehr auf Vorrat arbeiten lassen kann, so ist deshalb
das Handwerk ganz und gar nicht „der Tod des Kunsstgewerbes“.
Das Urteil über die „Mittelmäßigkeit“ als Prinzip
des Handwerks ist boshaft, aber nicht wahr.
Eine gewisse Jronie liegt darin, daß S., der sso überlegen
Giertes Schilderung ablehnt, dieser den für ihn maßgebenden
Gegensatz von Bedarfs- und Erwerbswirtschaft entnommen hat.
§ 3. Die Kaufleute des Mittclaltecs.
Den mittelalterlichen Kaufmann rückt Sombart sehr nahe
an den Handwerker heran. Er bezeichnet ihn schlechthin als solchen
(S. 174 ff.). Die Händler seien nichts anderes als handwerksmäßige
Existenzen gewesen. „Technische Arbeitsverrichtungen
. .. bilden die Haupttätigkeit des vorkapitalistischen
Händlers.“ „Jhr ganzes Denken und Fühlen, ihre soziale Stellung,
die Art ihrer Tätigkeit, alles läßt sie den kleinen und mitt-„viel
weniger durch die ökonomische Notlage als vielmehr durch die
Überzeugung von der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Standesehre“
hervorgebracht. Vgl. auch D. Schäfers Aufsatz „Zur Geschichte
des Zunstwesens“ in seinen „Aufsätzen, Vorträgen und Reden“
und dazu V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1914, S. 311. Oldenberg bemerkt
in seiner Kritik von Schönlanks Buch (Jahrbuch f. Geseßgebung 1896,
S. 322): „Schönlanks Darstellung verführt leicht zu dem Irrtum,
als habe die damalige Gesellenbewegung schon das Bewußtsein eines
proletarischen Klassenkampfes in sich getragen, während doch davon
schon wegen der grundsätlichen Ausschließung verheirateter Gesellen
(von den Gesellenverbänden) nicht wohl die Rede gewesen
sein kann.“
| 1) Städtische Wirtschaft im 14. u. 15. Jahrh. (Jahrb. f. Nationalöt.
Bd. 34.).