' VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
auch auf die individuellen Neigungen und Befähigungen der
Personen an. Sombarts Kapitalbegriff ist zu unpersönlich.
Die Richtigkeit der einen oder andern Ansicht ließe sich leicht
feststellen, wenn es gelänge, vollständige Stammbäume der
jenigen Personen zu ermitteln, die am Ende des Mittelalters
große Unternehmungen einrichten. Obwohl dies im allgemeinen
nicht möglich ist, so läßt sich doch einiges darüber sagen. Sombart
beruft sich für die Richtigkeit seiner Ansicht auf das Bei
spiel der Humpis, Welser und Fugger. Bei den beiden erstern
kann er jedoch nichts weiter geltend machen, als daß sie von
Herkunft Patrizier sind. Damit ist indessen noch gar nichts
über den Ursprung ihres Reichtums gesagt. Sombart denkt
allerdings bei dem Worte Patrizier stets sofort an alte Ministeria
lenfamilien mit bedeutendem Latdbesitz oder an alte städtische
Grundbesitzer, die ihre „Hufen“ im 12. und 13. Jahrhundert
spekulativ ausgenutzt haben. Von den Fuggern sagt er (S. 265) :
„es wäre geradezu lächerlich annehmen zu wollen, ein Vermögen
wie das Fuggersche sei aus Handelsprofiten akkumuliert." Er
macht geltend, daß sie in Augsburg bereits mit einem beträchtlichen
Vermögen vom Lande her einwandern (S. 305). Gewiß
stammt das spätere Vermögen der Fugger zum größeren Teil
aus Bergwerksunternehmungen und Geldhandel. Indessen,
daß es ihnen möglich war, sich an den Bergwerken in großem
Stil zu beteiligen und den Fürsten Geldvorschüsse zu machen,
das kann doch nur so erklärt werden, daß sie vorher aus dem
Warenhandel reich geworden waren. Für Sombarts Behauptung,
daß sie von ihrem Dorf ein beträchtliches Vermögen mit
brachten, fehlt jeder Anhalt.
Jedenfalls steht soviel fest: die großen Geldhändler Oberdeutschlands
im 16. Jahrhundert haben vorher Warenhandel
getrieben. Liegt es nicht nahe anzunehmen, daß der Warenhandel
ihnen die Profite abgeworfen hat, auf denen sie dann
den Geldhandel aufbauen konnten?
Ein paar andere Beispiele!). In der Ulmer Barchentweberei
des 15. Jahrhunderts haben wir eine Erscheinung, die schon
1) Vgl. die Literaturangaben unten in Nr. VMI.
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