(über den Begriffs der Territorialwirlischaft). §§7
Weberei zugleich Landwirtschaft trieben!). Jhre Barchentproduktion
erreichte einen außerordentlichen Umfang; aber die
Tätigkeit der „Gäuweber“ ?) rief den heftigen Unwillen der
zünftigen Stadtweber hervor, die den Rat gegen die verderbliche
Konkurrenz in Bewegung zu setzen suchten. Dieser nahm indessen
die Partei der Kaufleute. Lange hat iedoch die Ulmer
Großindustrie nicht geblüht. Sie fiel zwar nicht den heimischen
Handwerksmeistern, sondern auswärtiger Konkurrenz (namentlich
der der Fuggerschen Weber aus Weißenhorn) zum Opfer
(seit den dreißiger und vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts)).
Geering, Handel und Industrie der Stadt Basel, S. 359ff.
schilderl, wie die Mitglieder der Handelszunft „zum Schlüssel“,
der alten Gewandsschneiderzunft®), eine größere Industrie zu
begründen suchen, wie aber die Weber ihnen widerstreben und
wie diese ~ im Zusammenhang mit einem allgemeinen großartigen
Siege der Zünfte — das entschiedene Übergewicht er
langen. Die betreffenden Kämpfe fallen in das ausgehende
15. und die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Von da ab herrscht
die zünftige Arbeit in der Stadt Basel. Allerdings kommt nachträglich
wieder eine Großindustrie daselbst auf. Allein diese
!) Nübling, S. 148.
?) Nach Nübling, S. 145 erhalten in der früheren Zeit die Weber
als Lohnweber die Baumwolle von den Wollherren zum Weben:
später dagegen „fungiert vielfach der Weber als selbständiger Unternehmer,
kauft die Wolle vom Wollherrn, läßt sie spinnen, verwebt
sie und verkauft dann den rohen, d. h. ungebleichten Barchent wieder
an den Barchenthändler, trägt also das ganze Risiko der Produktion.“
Die Lage der Gäuweber würde sich hiernach also im Laufe der Zeit
nicht verschlechtert haben, sondern wäre, wenigstens vielfach, eine
selbständigere geworden. Nach Potthoff, Die Leinenleggen in der
Grafschaft Ravensberg S. 18 Anm. 2, würde N.s Bemerkung wohl
nur für die städtischen Weber zutreffen. N. S. 154: eine große Rolle
spielt das Darlehen an die Weber. S. 160: 1535 befehlen die Fugger
ihren Webern, ihre Baumwolle nicht mehr in Ulm zu kaufen, sondern
nur noch von ihnen (den Fuggern) zu beziehen.
*) Nübling, S. 159. Nur eine dürftige Existenz führte die Ulmer
Barchentweberei noch im 17. Jahrhundert.
+) Val. oben S. 327
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