Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

t VIII. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
Allein diese Erklärung wird schwerlich!) zutreffen. Dagegen
wird man in anderer Weise die Steigerung des Großbetriebes
im Warenverkehr, wie wir sie im 16. Jahrhundert beobachten,
allerdings auf politische Ursachen zurückführen müssen. Wir
haben hier an die neuen Entdeckungen2), an die jetzt in
großen Massen herbeiströmenden Produkte Indiens zu denken.
Lag darin schon an sich ein Anlaß zur Ausdehnung der Betriebe, so
wirkten noch mehr dahm dre strenge staatliche Regelung des
Verkehrs der Kolonieen mit dem Mutterlande und der damit
in Zusammenhang stehende Grundsatz der portugiessischen Regierung,
 den Ertrag der Handelsflotte nach Möglichkeit nur
im großen zu veräußern. Es sind dies jedoch wiederum politische
 Ursachen, die mit den deutschen Territorien gar nichts
zu tun haben.
Die Gründe, die weiterhin den Großhandel und die Großindustrie
 befördert haben, lassen sich nicht einfach herzählen und
sind schwieriger zu erkennen als die genannten. Bald wirkt eine
1) Vgl. Forschungen zur deutschen Geschichte, Bd. 4, S. 485 :
Mit dem Gelde, das der Erzbischof von Salzburg 1486 als Reichssteuer
 einkassiert, wuchert er, indem er sich durch einen Nürnberger
für 1700 Gulden Tuch zu Gewändern einkaufen läßt und dies dann
bei der Ausgabe (doch wahrscheinlich an die in Sold genommenen
Landsknechte) mit 2550 Gulden berechnet. Das wäre ein Fall, der
in jenem Zusammenhange in Betracht kommen könnte. Aber es handelt
 sich hier doch nur um ein Kuriosum. Überdies stammt das Geld,
das den großen Umsatz möglich macht, nicht aus einer Territorial-,
sondern einer Reichsssteuer. ~ Daß die landesherrliche Verwaltung
anfangs keine erhebliche Bedeutung für die Förderung von Handel
und Gewerbe hat, darf man auch schon der Tatsache entnehmen, daß
erst allmählich Residenzen und Hauptstädte aufkommen und daß
demgemäß solche als Mittelpunkte von Handel und Gewerbe zunächst
noch keine Rolle spielen. Vgl. oben S. 467 u. 499.9.
2) Wenn ich hier eine Wirkung der neuen Entdeckungen auf die
Art des Handelsbetriebs in Deutschland annehme, so schließe ich mich
damit keineswegs der Ansicht an, daß dieselben sogleich eine allgemeine
 Verlegung der Verkehrswege in Europa hervorgerufen haben.
Gegen diese noch immer hier und da vorgetragene Anschauung hat sich
mit Recht energisch Dietrich Schäfer, Hansische Geschichtsblätter,
1897, S. 3 ff. ausgesprochen.

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