Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

% VIII. Der Untergang der mittelalterlichen Stadtwirtschaft
wir übrigens nicht genötigt näher einzugehen. Denn für uns
handelt es sich ja nicht sowohl um die Frage, ob politische oder
nichtpolitische Momente maßgebend sind, als vielmehr um die,
welche Rolle unter den politischen Gewalten speziell den Territorien
 zukonnnt.
Hinsichtlich der Ursachen der großen Messen, Banken und
Börsen haben wohl schon unsere obigen Erörterungen den Beweis
 geliefert, daß sie in Wirkungen, die von den Territorien
ausgehen, wenigstens während des 16. Jahrhunderts nicht gesucht
 werden können.
Somit. können wir also Schmoller und Bücher nicht darin
beistimmen, daß die in dieser Zeit bemerkbaren Ansätze zur Ausbildung
 einer „Volkswirtschaft" „vor allem“, „im wesentlichen"
eine Frucht der politischen Centralisation ~ beide haben den
politischen Fortschritt der d eutschen Territorien im uuge
seien. Wir haben uns wiederum daran zu erinnern, daß die
politische Gewalt damals die Großindustrie und den Großhandel
 weit mehr gehindert als befördert hat. Soweit sie aufkamen,
 settten sie sich überwiegend trot der politischen Gewalten
durch!). Übrigens nimmt Bücher das, was er zuerst gesagt,
„Territorialwirtschaft“ doch nicht viel zur Charakterisierung der ersten
Jahrhunderte der Neuzeit beiträgt.
1) Stieda bei Roscher.a. a. O., S. 725 f. seßt in seiner Erörterung
über die Gründe des Aufkommens der Fabriken richtig auseinander,
daß die Beseitigung der Zunftschranken eine Voraussetßzung für dasselbe
 ist. In der Tat hätten Großindustrie und Großhandel auch schon
im Mittelalter eine bedeutende Rolle gespielt, wenn ihnen nicht die
Stadt- und insbesondere die Zunftpolitik feindlich gewesen wären;
das Handwerk und der kaufmännische Mittelstand mußten stets sorgsam
 vor dem Aufkommen großer Unternehmungen auf der Hut sein.
Diese Tatsache ist ein wertvoller Beleg für die Wichtigkeit des politischen
 Faktors. Es mag hier an die modernen Bestrebungen erinnert
twerden, bei der Deckung des Bedarfs der Armeen nach Möglichkeit
die Produzenten und bei dem Verkauf der in den staatlichen Gruben
gewonnenen Kohlen die Konsumenten zu berücksichtigen. Solche Bestrebungen
 können viel Erfolg haben. Ihre Wirkung ist freilich von
mancherlei Faktoren abhängig. Es können auch große Unternehmungen
gegen den Willen der politischen Gewalten aufkommen. Daß es Jich

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