Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

(über den Begriff der Territorialwirtschaft). 61.7 
dem mittelalterlichen Wirtschaftsleben nicht in allen Beziehungen 
gerecht wird, haben wir schon angedeutet. Noch jchwieriger ist 
die Auffindung eines Terminus für die uns hier beschäftigende 
Zeit. Vielleicht zieht mancher es vor, für ste eine Formel auf- 
zustellen, in der vorzugsweise die neuen Erscheinungen (der zu- 
nehmende Großhandel usw.) zum Ausdruck gelangen. Ich 
lehne eine solche Formel ab, weil meiner Meinung nach das 
Alte überwiegt'). Aber gesetzt, es stellte sie jemand auf: das 
Wort ,Territorialwirtschaft“ würde sie keinenfalls enthalten. 
Denn für jene neuen Erscheinungen ist es charatterisstisch, daß 
sie an den Rahmen des Territoriums nicht gebunden sind. 
Ein Zugeständnis könnte man Schmollers Auffassung allen- 
falls für das 18. Jahrhundert machen. Jett besiten einige 
deutsche Staaten, insbesondere Preußen und Österreich, ein 
in hohem Maße abgeschlossenes und eigenartiges wirtschaftliches 
Leben. Sie erreichen für ihr großes Gebiet ungefähr dieselbe 
Abgeschlossenheit, die die mittelalterliche Stadt für ihr kleines 
Gebiet durchzuseßen wußte. Allein den Ausdruck ,„Territorial- 
wirtschaft“ wird man doch auch auf sie nicht anwenden. Denn 
erstens gelangen zu jenem Ziel nicht alle deutschen Territorien, 
sondern nur einige wenige. Und diejenigen, die überhaupt in 
Betracht kommen, haben das Maß des normalen deutschen Ter- 
ritoriums weit überschritten. Perthes nennt sie „Staaten mit 
europäischem Charakter“). Weiter aber?) haben sie, so bedeut- 
oder richtiger 1810. Für die allgemeine Geschichte aber bleibt die 
Einteilung in Mittelalter und Neuzeit immer noch die brauchbarsste. 
Wichtiger als das kritische Urteil über die Mängel einer Einteilung 
ist die Erkenntnis, daß die Einheit der Kultur nicht ohne weiteres 
vorausgesetzt werden darf. 
!) Daran kann doch wohl nicht gezweifelt werden. Über den Um- 
fang und die Kraft des Neuen gehen die Ansichten allerdings etwas 
auseinander. Vgl. einerseits Bücher oben S. 502, andererseits Tröltsch, 
oben S. 574 Anm. 4. 
?) Das deutsche Staatsleben vor der Revolution, S. 154 ff. 
3) Wir wollen davon absehen, daß ihre wirtschaftliche Abgeschlossen- 
heit nicht vollständig ist. Auch ein Staat wie Preußen sucht z. B. für 
das Münzwesen Anschluß an andere.
	        
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