Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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5. Kap. Aufgabe und Methode der politischen Oekonomik. 
Tie Stellung eines von ollen Theorien vollkommen abstrahirenden Be 
obachters, der von nichts als von ökonomischen Taten und Verhältnissen weiß, 
läßt sich unter keinen Umständen aufreckt erhalten. Läßt man sich nicht von 
den Principien des christlichen Sittengesetzes leiten, so muß man denen irgend 
einer andern Ethik folgen, eingebildete Anschauungen über die politische und 
ökonomische Entwicklung zur Richtschnur nehinen und denselben die Thatsachen 
anpassen, so gut es eben geht. So haben es Auguste Comte in der ersten 
und Herbert Spencer in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts gemacht, 
und das Beispiel dieser Gelehrten hat nur zu oft Nachahmung gesunden. 
Es darf also die Methode unserer Wissenschaft weder ausschließlich em 
pirischer noch rein deductiver Natur sein. Bei der Begründung der Urtheile 
über die Berechtigung der Zustände und die Gerechtigkeit und die Zweck 
mäßigkeit der Maßregeln muß sowohl die inductive als die deductive Art der 
Schlußfolgerung zur Anwendung gelangen. Man hat nicht minder von der 
Beobachtung der Thatsachen als von ethischen Doctrinen auszugehen, seine 
Behauptungen in den einen Fällen durch detaillirte Untersuchungen über das 
Familienleben, die Verhältnisse in den Fabriken, die Zustände in den ver 
schiedenen Staaten, in den andern durch den Hinweis auf die Natur und 
die Pflichten des Menschen zu begründen. Wir haben einerseits Erscheinungen, 
die den Doctrinen entsprechen, und andererseits Doctrinen, welche den zu er 
klärenden Lebensverhältnissen entsprechen, auszuwählen und die Theorie mittelst 
der Geschichte wie die Geschichte mit Hilfe der Toctrin zu controlliren. So 
muß man sich stets davor hüten, die Grundsätze der Logik zu verletzen, will 
kürliche Hypothesen aufzustellen, kühne Anwendungen eingebildeter Ideen auf 
das wirkliche Leben zu machen und durch einfache Aneinanderreihung einzelner 
Thatsachen zu falschen Schlüssen zu gelangen. 
Hätte man sich diese Regeln gegenwärtig gehalten, so würde eine ganze 
Ņeihe von Streitigkeiten über die ökonomischen Doctrinen vermieden worden 
sein. Leider ist das aber vielfach nicht geschehen. Die historische Schule be 
gnügte sich nicht damit, nachzuweisen, daß viele Lehren der sogen, klassischen 
schule willkürliche Hypothesen seien oder sich als eine ungerechtfertigte Aus 
dehnung der Wahrnehmungen an den Londoner Börsenmännern auf die Menschen 
Şr Zeiten darstellten. Sie ging weiter, läugnete überhaupt das Bestehen allge 
meiner Gesetze und erklärte alle wirtschaftlichen Lehren für relativ und auf eine 
gewisse Zeit beschränkt, jedoch ganz mit Unrecht, da ein großer Theil der natur 
wissenschaftlichen und psychologischen Fundamentalsätze, auf denen die Wirtschafts 
wissenschaft beruht, allerorten und zu allen Zeiten wahr ist und diese Sätze 
slll t alle Menschen Anwendung finden. Die allgemeinen Gesetze der Ethik 
klagen sogar sämtlich den Charakter des Absoluten und Unveränderlichen an 
sich. Der Irrthum der sogen, klassischen Volkswirtschaftslehrer bestand gewiß
	        
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