Full text: Nationale Bodenreform

Die Weihnachtnummer des Jahres 1890 unserer Zeit- 
schrift hat unserem Freund Dr. Kirchhoff wegen eines 
Aufsatzes: „Friede auf Erden“ einige Unannehmlichkei- 
ten verurssacht, weil er darin die Staatseinrichtungen 
vder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich gemacht 
haben sollte. Es ist aber den Rechtsanwälten Kaufmann 
in Berlin und Grieving in Düsseldorf gelungen, eine 
kosstenlose Freisprechung des Verfassers und unseres ver- 
antwortlichen Schriftleiters zu erzielen. Weitere Pro- 
zesse gegen unser Blatt und sogar wegen Aufreizung zum 
Klassenhaß, wie Damaschke in seinen inzwischen erschie- 
nenen Erinnerungen angenommen hat, sind aber nicht 
vorgekommen.*) Unsere Lage kann sich also auch dadurch 
nicht schwierig gestaltet haben. 
M!! 18. JJanuar 1891 an ist in jeder Nummer unseres 
Blattes ein von Flürscheim verfaßter Kopftext ab- 
gedruckt worden, der die damals im Bunde herrschenden 
Ansichten wiedergegeben hat. Der Wortlaut war fol- 
gender: 
Frei Land tritt für den übergang des Grund und Bodens 
aus dem Privatbesiß an den Staat und die Gemeinde auf 
dem Wege friedlicher Abfindung ein, um solchen den Nutz- 
nießern in Erbpacht zum Tagesmietenpreis zu überlassen. Es 
wird hiervon nicht nur eine bedeutende Besserung in der Be- 
wirtschaftung des Acker- und Wohnungbodens erwartet, son- 
dern auch infolge der Wirkung auf den Zins, das Kind der 
privaten Grundrente, welcher mit dieser verschwindet, eine 
wesentliche Reform der Güterverteilung im allgemeinen, eine 
Hebung des Volksverbrauchs und hierdurch der Gütererzeu- 
gung, also eine gründliche Heilung des sich ständig versschlim- 
mernden sozialen Notstandes. 
*) Damaschke, Adolf Dr., Aus meinem Leben, S. 283. 
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