verschwinden und einer Vergütung für das aufbewahren
und erhalten geliehener Kapitalien platzmachen müsse.
Die Gefahr, daß das wachsen des Zinskapitals durch Zins
und Zinseszins auf Milliardenbeträge schließlich die Ar-
beiter trotz aller Bemühungen ihrer Gewerkschaften auf
Hungerlöhne setzen könnte, würde mit dem sinken des
Zinsfußes, der nach dem Weltkriege in Deutschland eine
bis dahin für unmöglich gehaltene Höhe erlangt hat, in
weite Ferne gerückt werden.
Das entstehen der Grundrente.
Y wichtigste Streitfrage wird von mir das entstehen
der Grun dr ente angesehen. Ich habe meine Be-
denken gegen die Ansichten leitender Bodenreformer schon
in der ersten Auflage dieses Buches geäußert und ich habe
gehofft, daß meine Anregungen zu einer Aussprache in
der Bundeszeitschrift oder im Jahrbuch der Bodenreform
führen würden. Das ist leider nicht geschehen. Da es sich
hier um eine Frage handelt, die für die Zukunft der Bo-
denreform Bewegung von entscheidender Bedeutung ist,
will ich das, was ich früher an verschiedenen Stellen mei-
nes Buches gesagt habe, hier zusammenfassen und soweit
es nötig ist ergänzen. Als erster Versuch einer wissen-
schaftlichen Erklärung der Grundrente wird die schon auf
S. 12 erwähnte Lehre des englischen Nationalökonomen
Ricardo angesehen. Er hat aber Vorgänger gehabt,
von denen Malthus das wichtigste schon vor ihm gelehrt
hat. Die Erklärung Ricardos lautete:
Die Grundrente ist der Teil des Erzeugnisses der Erde
oder die Vergütung, die dem Grundherrn für die Benußung
der ursprünglichen und unerschöpflichen Kräfte des Bodens
bezahlt wird.*)
*) Handbuch der Staatswissenschaften Jena 1. Aufl. Bd. 4. S. 183.
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